Verkündigung

Richard Dehmel

1863

Du tatest mir die Tür auf, ernstes Kind. Ich sah mich um in deinem kleinen Himmel, lächelnde Jungfrau; Du wirst einst einen großen Himmel hüten, Mutter mit dem Kind. Ich tu die Tür mit ernstem Lächeln zu.

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Interpretation

Das Gedicht "Verkündigung" von Richard Dehmel beschreibt eine Begegnung zwischen dem lyrischen Ich und einem jungen Mädchen, das als "ernstes Kind" und "lächelnde Jungfrau" charakterisiert wird. Der Raum, den das Mädchen öffnet, wird als "kleiner Himmel" bezeichnet, was auf eine schützende und intime Atmosphäre hindeutet. Das lyrische Ich betrachtet das Mädchen mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Weitsicht und prophezeit ihr eine zukünftige Rolle als Mutter. Die Vision des lyrischen Ichs von der Zukunft des Mädchens ist von einer tiefen Symbolik durchdrungen. Die "lächelnde Jungfrau" wird als "Mutter mit dem Kind" vorausgesagt, was auf eine Transformation von Unschuld und Reinheit zu einer reifen, mütterlichen Rolle hindeutet. Der "große Himmel", den sie einst hüten wird, symbolisiert die Weite und Verantwortung der Mutterschaft sowie die spirituelle Bedeutung dieser Rolle. Der Abschluss des Gedichts, in dem das lyrische Ich die Tür "mit ernstem Lächeln" schließt, verleiht der Szene eine nachdenkliche und fast sakrale Stimmung. Es deutet auf eine Art Segnung oder Anerkennung der zukünftigen Bestimmung des Mädchens hin. Die Ernsthaftigkeit des Lächelns könnte auch die Tragweite der Verwandlung von Mädchen zu Mutter reflektieren, die sowohl Freude als auch Verantwortung mit sich bringt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Antithese
kleinen Himmel / großen Himmel
Apostrophe
ernstes Kind / lächelnde Jungfrau / Mutter mit dem Kind
Epitheton Ornans
lächelnde Jungfrau
Metapher
deinem kleinen Himmel / einen großen Himmel
Oxymoron
ernstes Lächeln
Rahmenstruktur / Parallelismus
Du tatest mir die Tür auf / Ich tu die Tür ... zu
Symbolik
die Tür (Übergang/Einblick)
Variation
ernstes Kind / ernstem Lächeln