Verklärung
1887Wenn es Abend wird, Verläßt dich leise ein blaues Antlitz. Ein kleiner Vogel singt im Tamarindenbaum.
Ein sanfter Mönch Faltet die erstorbenen Hände. Ein weißer Engel sucht Marien heim.
Ein nächtiger Kranz Von Veilchen, Korn und purpurnen Trauben Ist das Jahr des Schauenden.
Zu deinen Füßen Öffnen sich die Gräber der Toten, Wenn du die Stirne in die silbernen Hände legst.
Stille wohnt An deinem Mund der herbstliche Mond, Trunken von Mohnsaft dunkler Gesang;
Blaue Blume, Die leise tönt in vergilbtem Gestein.
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Interpretation
Das Gedicht "Verklärung" von Georg Trakl handelt von der Transformation und der mystischen Erfahrung der Nacht und des Todes. Es beginnt mit dem Abend, der ein "blaues Antlitz" hinterlässt, und einem Vogel, der im Tamarindenbaum singt. Ein Mönch faltet die Hände, und ein Engel sucht Marien heim, was auf eine spirituelle Atmosphäre hindeutet. Das Jahr des Schauenden wird als nächtlicher Kranz aus Veilchen, Korn und purpurnen Trauben beschrieben, was auf die Vergänglichkeit und den Kreislauf des Lebens hindeutet. Die Gräber der Toten öffnen sich zu den Füßen des Schauenden, wenn dieser die Stirne in die silbernen Hände legt, was auf eine tiefe Meditation oder einen spirituellen Zustand hindeutet. Die Stille wohnt am Mund des Schauenden, und der herbstliche Mond ist betrunken von Mohnsaft, was auf eine traumhafte oder halluzinatorische Erfahrung hindeutet. Die "Blaue Blume" am Ende des Gedichts symbolisiert die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren und die Schönheit der Natur, die in vergilbtem Gestein leise tönt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Ein weißer Engel sucht Marien heim.
- Metapher
- Trunken von Mohnsaft dunkler Gesang.
- Personifikation
- Blaue Blume, die leise tönt in vergilbtem Gestein.
- Symbolik
- Ein sanfter Mönch faltet die erstorbenen Hände.