Verhalten

August Stramm

1874

Meine Augen schwingen in deinen Brüsten Dein Haupt beugt glutrot weichen Schatten Drauf! Der Atem schämigt hemmend Das Gewoge. Mich krallt die Gier Und herbe Dünste bluten In seinen Ketten Rüttelt Der Verstand. Fein Knifft die Scheu die Lippen lächelnd Kälter! Mein Arm nur Faßt Im Schwung Dich Heißer heiß!

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Illustration zu Verhalten

Interpretation

Das Gedicht "Verhalten" von August Stramm ist ein expressionistisches Werk, das die innere Zerrissenheit und das erotische Begehren des lyrischen Ichs zum Ausdruck bringt. Die Sprache ist geprägt von kurzen, fragmentarischen Sätzen und unkonventionellen Wortkombinationen, die die Intensität der Gefühle verdeutlichen. Das Gedicht beschreibt eine Szene, in der das lyrische Ich von einer Person angezogen wird, deren Brüste und Schatten eine starke Anziehungskraft ausüben. Das Gedicht zeigt den Konflikt zwischen den Trieben und der Vernunft. Die Gier krallt sich in das lyrische Ich, während der Verstand in Ketten gerüttelt wird. Die Scheu knifft die Lippen lächelnd, was auf eine gewisse Unsicherheit oder Zurückhaltung hindeutet. Trotzdem überwindet die Leidenschaft am Ende die Scheu, als der Arm des lyrischen Ichs im Schwung die Person "heißer heiß" fasst. Das Gedicht vermittelt somit die Intensität und die Ambivalenz erotischer Anziehungskräfte. Die Struktur des Gedichts mit seinen kurzen Zeilen und dem Fehlen von Satzzeichen verstärkt die Dringlichkeit und die emotionale Aufgeladenheit der Szene. Die Wiederholung des Wortes "heißer" am Ende des Gedichts unterstreicht die steigende Intensität der Begierde. Insgesamt ist "Verhalten" ein kraftvolles und eindringliches Gedicht, das die Komplexität menschlicher Emotionen und Begierden auf eindringliche Weise darstellt.

Schlüsselwörter

augen schwingen brüsten haupt beugt glutrot weichen schatten

Wortwolke

Wortwolke zu Verhalten

Stilmittel

Alliteration
Fein / Knifft die Scheu die Lippen lächelnd
Befehl
Kälter!
Bildsprache
herbe Dünste bluten
Metapher
Mich krallt die Gier
Personifikation
Der Atem schämigt hemmend