Vergebens
1862Du weißt es wohl, ich bin kein starker Geist, Der frei für sich erschafft ein eig′nes Leben, Kein mächt′ger Baum, sich selbst genug, der wagt Sein stolzes Haupt hoch in die Luft zu heben. Ich kann nicht geh′n in selbstgezognen Gleisen, Und brauche Sterne, die den Pfad mir weisen.
Du weißt es wohl, ich bin kein starkes Herz, Das einsam kann durch′s dunkle Leben ziehen, Zu Etwas muß es gläubig aufwärts schau′n, Für Etwas schlagen, zittern und erglühen. Der Rebe gleicht′s, die nur im Aufwärtsringen Empor sich kann zu Licht und Leben schwingen.
Doch weißt du wohl, wie sehr dies Herz auch braucht Der starken Hand - sie wird ihm ewig fehlen, Und wie der Geist auch noch so heiß sich sehnt Nach seinem Stern - er muß umsonst sich quälen, Bis gleich der müden Flamme letztem Blinken Sie todesmatt in sich zusammensinken!
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Interpretation
Das Gedicht "Vergebens" von Luise Büchner ist eine eindringliche Darstellung der menschlichen Abhängigkeit und Sehnsucht. Die lyrische Ich-Erzählerin beschreibt sich selbst als einen Geist, der nicht stark genug ist, um ein eigenes Leben zu erschaffen. Sie vergleicht sich mit einem Baum, der sich nicht alleine in die Höhe strecken kann, und betont ihre Abhängigkeit von äußeren Sternen, die ihr den Weg weisen. Im zweiten Teil des Gedichts geht es um das Herz der Erzählerin, das ebenfalls als schwach und abhängig dargestellt wird. Es kann nicht alleine durch das Leben gehen und braucht etwas, worauf es aufschauen und für das es schlagen, zittern und erglühen kann. Die Erzählerin vergleicht ihr Herz mit einer Rebe, die nur durch das Streben nach oben zu Licht und Leben gelangen kann. Der letzte Teil des Gedichts offenbart die tiefe Verzweiflung der Erzählerin. Sie weiß, dass sie die starke Hand, die ihr Herz so dringend braucht, nie erhalten wird. Ebenso wird ihr Geist vergeblich nach seinem Stern streben, bis er, wie eine sterbende Flamme, erlischt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Resignation, da die Sehnsüchte der Erzählerin unerfüllt bleiben werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- [frei für sich erschafft ein eig′nes Leben in selbstgezognen Gleisen durch′s dunkle Leben ziehen zu Licht und Leben schwingen müden Flamme letztem Blinken todesmatt in sich zusammensinken]
- Hyperbel
- [sich selbst genug sich selbst genug, der wagt sich selbst genug, der wagt sein stolzes Haupt hoch in die Luft zu heben]
- Metapher
- [ich bin kein starker Geist Kein mächt′ger Baum, sich selbst genug Ich kann nicht geh′n in selbstgezognen Gleisen ich bin kein starkes Herz Der Rebe gleicht′s]
- Personifikation
- [sich selbst genug, der wagt die den Pfad mir weisen die nur im Aufwärtsringen Empor sich kann zu Licht und Leben schwingen wie sehr dieses Herz auch braucht sie wird ihm ewig fehlen der noch so heiß sich sehnt er muß umsonst sich quälen bis gleich der müden Flamme letztem Blinken sie todesmatt in sich zusammensinken]
- Vergleich
- [Der Rebe gleicht′s, die nur im Aufwärtsringen]