Vereinbar
1807»Man muß nicht müssen,« sagt ein deutscher Dichter, Ein andrer, und der größte unter allen: »Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein.« Hat Einer Unrecht und der Andre Recht? Und wer von Beiden dieses oder jenes? O schwierig! Aber halt, da fällt mir ein: Am Ende haben Recht und Unrecht Beide. Der Mensch ist frei, doch er bedarf ein Muß. Nun gut, so schaffe selbst dir einen Zwang, Ein Muß der Pflicht, dann dienst du, aber frei.
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Interpretation
Das Gedicht "Vereinbar" von Friedrich Theodor Vischer beschäftigt sich mit der Frage nach Freiheit und Zwang im menschlichen Leben. Es beginnt mit einem Zitat eines deutschen Dichters, der behauptet, dass man nicht gezwungen sein muss, und einem weiteren Zitat, das besagt, dass der Mensch nicht dazu geboren ist, frei zu sein. Der Autor stellt die Frage, ob einer von beiden Recht oder Unrecht hat und wer von den beiden diese Ansicht vertritt. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass am Ende beide Ansichten ihre Berechtigung haben könnten. Der Mensch ist zwar frei, aber er benötigt auch einen gewissen Zwang oder eine Pflicht, um sein Leben zu gestalten. Es wird vorgeschlagen, dass man sich selbst einen Zwang auferlegt, nämlich den Zwang der Pflicht. Indem man sich dieser Pflicht unterwirft, dient man anderen, aber gleichzeitig bleibt man frei in seinen Entscheidungen und Handlungen. Das Gedicht verdeutlicht die Komplexität der menschlichen Natur und die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen Freiheit und Verantwortung. Es regt zum Nachdenken über die Rolle von Pflicht und Zwang im Leben an und zeigt auf, dass Freiheit nicht bedeutet, völlig ohne Zwänge zu leben, sondern dass man sich bewusst für bestimmte Verpflichtungen entscheidet, um anderen zu dienen und gleichzeitig seine eigene Freiheit zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Und wer von Beiden dieses oder jenes?
- Ausruf
- O schwierig!
- Gegensatz
- »Man muß nicht müssen,« sagt ein deutscher Dichter, Ein andrer, und der größte unter allen: »Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein.«
- Imperativ
- Nun gut, so schaffe selbst dir einen Zwang, Ein Muß der Pflicht, dann dienst du, aber frei.
- Paradox
- Der Mensch ist frei, doch er bedarf ein Muß.
- Rhetorische Frage
- Hat Einer Unrecht und der Andre Recht?