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Venus Perversa

Von

Dort sitz nieder! sieben Kreuze
zwischen uns! und gönn mir′s: sei nicht Tier!
Sondern ich suche andere Reize:
Dich: komm, liebe dich vor mir!

Dich nur. Dich! nur deine verschmachtenden Blicke
und deine zuckende Scham und deine scheuen
Seufzer gönn mir – ja, entzücke
mich mit Deinen Rasereien!

O du, wenn die Knospen deiner welken
Brüste unter deinen tastenden Fingern
wieder schwellen wie in Jüngern
Nächten – oh, dies Schwelgen –

gönn mir′s, gönn mir′s! Meine eigenen Freuden
sind mir Schaum, der bitter ist –
aber Du, wenn Du so stöhnst und glühst,
will ich mich an Deiner Wildheit weiden:

wie du gleich enttäuschten Bräuten
deine einsame Sehnsucht stilltest,
deine heimlichen Seligkeiten
mit berauschten Händen fühltest –

fühlst – stillst – – Seele, bricht dein Blick?
O du, laß mich diesen Blick genießen!
dies Verröcheln von Lippen bis zu Füßen!
recke dich nicht so starr zurück –

Ekelt dich? – Ah -: witterst du nun den reifen
Menschen? bist du satt der Kuhnatur?! –
Und wir schaudern: wir begreifen
den Triumph der Unnatur.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Venus Perversa von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Venus Perversa“ von Richard Dehmel ist eine verstörende und provokante Auseinandersetzung mit Sexualität, Begierde und der Überschreitung gesellschaftlicher Konventionen. Es ist ein intensives Gedicht, das von einer voyeuristischen Perspektive aus geschrieben ist und die Leser in eine Welt extremer Emotionen und sexueller Obsessionen zieht. Der Sprecher wendet sich an eine „Du“-Figur, die er auffordert, ihre Hemmungen abzulegen und sich seinen Wünschen hinzugeben.

Das Gedicht ist von einer Atmosphäre der Spannung und des verborgenen Verlangens geprägt. Der Sprecher sucht nicht nur körperliche Erfüllung, sondern auch eine tiefere Erfahrung, die mit Konventionen bricht. Er interessiert sich für die Reaktion des „Du“, die Scham, die Raserei und die Sehnsüchte, die sich in seinen Blicken, Seufzern und Bewegungen zeigen. Die Sprache ist expressiv und verwendet Bilder, die sowohl erotisch als auch verstörend wirken. Die Betonung auf „Dich“ und „nur dich“ unterstreicht die Fixierung des Sprechers auf die andere Person, während die Beschreibung der körperlichen Reaktionen und des sexuellen Verlangens die Intensität der Emotionen verdeutlicht.

Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Intensität gesteigert, indem der Sprecher die „Du“-Figur dazu auffordert, sich ihren eigenen Wünschen hinzugeben und ihre verborgenen Sehnsüchte zu befriedigen. Die Bilder von den sich wieder entfaltenden Brüsten und dem Schwelgen in der „Wildheit“ verdeutlichen die Obsession des Sprechers. Es ist ein Gedicht über die Kontrolle, das Begehren und die Grenzen der menschlichen Natur. Die Frage nach dem Ekel und dem „reifen Menschen“ in den letzten Strophen deutet auf eine kritische Auseinandersetzung mit der Sexualität und der Erschöpfung des Begehrens hin, die in einer Gesellschaft der Konventionen und Verbote existiert.

Die Verwendung von rhetorischen Fragen und Ausrufen verstärkt die Intensität und Direktheit des Gedichts. Das Gedicht gipfelt in einem beunruhigenden Höhepunkt, in dem die Grenze zwischen Genuss und Verachtung verschwimmt. Das „Verröcheln von Lippen bis zu Füßen“ zeugt von einer völligen Hingabe an das sinnliche Erlebnis, während das letzte Reimpaar „Ekelt dich? – Ah -: witterst du nun den reifen / Menschen? bist du satt der Kuhnatur?!“ die Frage nach der Gültigkeit und dem Wert dieser Erfahrung aufwirft. Durch die Erwähnung des „Triumph der Unnatur“ wird schließlich die Abkehr von den natürlichen Trieben und die Hinwendung zu einer gesteigerten, fast krankhaften Form des Begehrens angedeutet, die sowohl faszinierend als auch abstoßend wirkt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.