Venus im Bade
1765Schüchtern fliehn die Jungen Hirten? Wen verbergen diese Myrthen, In geheimnißvoller Nacht, Unter ihren leisen Blättern? O von tausend Liebesgöttern Wird der ganze Hain bewacht!
Täubchen lassen sich hernieder, Huldgöttinnen singen Lieder: Ist es Venus? will sie hier In dem Silberteiche baden? Ihr gefälligen Dryaden, Einen Blick gewähret mir.
Wollt ihr unter euern Zweigen Mich beschützen, mir sie zeigen? Ewig dank ich euch mein Glück, Ewig soll mein Lied euch ehren; Zeigt, ach! zeiget mir Cytheren: O ihr Nymphen, einen Blick!
Die Gebüsche, die sie decken, Hören mich. O süßes Schrecken, Eine Göttin unverhüllt? Wag′ ich es nach der zu blicken, Die mit Liebe, mit Entzücken Eine ganze Welt erfüllt?
Darf ein Sterblicher? Es glühet Mars, wenn er die Reize siehet, Wenn ihr Busen sich empört, Und er nicht den Lärm des Krieges, Nicht den wilden Ruf des Sieges, Nur ein zärtlich Seufzen hört.
O ihr Myrthen! o umschließet Sie vor mir. Der Gürtel fließet Nun auf heil′gen Rasen hin. Nieder steigt sie schon zur Quelle! Schon berührt der Fuß die Welle, Dem in Wüsten Rosen blühn.
Nie wird euch ein Sturm entehren, Ihr Gebüsche, wo Cytheren Der verliebte Frühling fand. Kömmt ein Mädchen sich zu kühlen, An den Teich, so wird es fühlen, Was kein Mädchen noch empfand.
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Interpretation
Das Gedicht "Venus im Bade" von Johann Georg Jacobi beschreibt eine Szene, in der der Dichter eine verborgene Venus beim Baden beobachtet. Die Hirten fliehen schüchtern, und die Myrthen schützen die Göttin in der geheimnisvollen Nacht. Der Hain wird von tausend Liebesgöttern bewacht, während Tauben herniederlassen und Huldgöttinnen Lieder singen. Der Dichter fragt sich, ob es Venus ist, die im Silberteich badet, und bittet die Dryaden um einen Blick auf sie. Der Dichter fleht die Nymphen an, ihn zu beschützen und ihm die Göttin zu zeigen. Er verspricht ewigen Dank und ewiges Lob in seinem Lied. Die Gebüsche, die Venus bedecken, hören ihn, und er empfindet süßes Schrecken bei dem Gedanken, eine Göttin unverhüllt zu sehen. Er fragt sich, ob ein Sterblicher es wagen darf, nach der Göttin zu blicken, die mit Liebe und Entzücken eine ganze Welt erfüllt. Sogar der Kriegsgott Mars ist von ihren Reizen ergriffen und hört nur ein zärtliches Seufzen, wenn er sie sieht. Die Myrthen werden gebeten, Venus vor dem Dichter zu verbergen, da ihr Gürtel auf den heiligen Rasen fließt. Sie steigt bereits zur Quelle hinab, und ihr Fuß berührt die Welle, die in Wüsten Rosen blühen lässt. Die Gebüsche, in denen Cythere gefunden wurde, werden nie von einem Sturm entehrt. Wenn ein Mädchen an den Teich kommt, um sich zu kühlen, wird es etwas fühlen, was kein Mädchen zuvor empfunden hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Von tausend Liebesgöttern
- Hyperbel
- Wird der ganze Hain bewacht
- Metapher
- Was kein Mädchen noch empfand
- Personifikation
- Huldgöttinnen singen Lieder