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Venedig

Von

An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll′s
über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik –
trunken schwamm′s in die Dämmerung hinaus…

Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd von bunter Seligkeit.
– Hörte Jemand ihr zu?…

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Gedicht: Venedig von Friedrich Nietzsche

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Venedig“ von Friedrich Nietzsche beschreibt eine sinnliche Erfahrung, die der Sprecher in der nächtlichen Stadt Venedig macht. Es ist ein Gedicht der Kontemplation und des inneren Widerhalls, das die äußeren Eindrücke von Musik und Licht mit den inneren Empfindungen der Seele verbindet. Die Szenerie Venedigs mit ihren Gondeln, Lichtern und der Musik dient als Kulisse für eine innere Reise, die durch das äußere Geschehen ausgelöst wird.

Die ersten Verse beschreiben die äußeren Sinneseindrücke: „goldener Tropfen“ als Metapher für den Gesang, „zitternde Fläche“ für das Wasser, auf dem sich die Lichter spiegeln, und die „Gondeln, Lichter, Musik“. Diese Worte evozieren eine Atmosphäre der Verzauberung und des Rausches, die in die Dämmerung hinaus schwimmt. Das lyrische Ich steht als Beobachter am Rande dieses Treibens, an einer Brücke in der Nacht, und erlebt die Szene auf passive Weise.

Der zweite Teil des Gedichts verlagert den Fokus von den äußeren Eindrücken auf die innere Welt des Sprechers. Seine Seele wird als „Saitenspiel“ bezeichnet, das von den äußeren Klängen berührt wird und selbst ein „Gondellied“ anstimmt. Dieses Lied ist „heimlich“ und „zitternd von bunter Seligkeit“, was die Intensität und gleichzeitige Fragilität der Empfindungen unterstreicht. Das Gedicht gipfelt in der Frage, ob jemand diesem inneren Lied gelauscht hat, was ein Gefühl der Einsamkeit und der Ungewissheit über die Resonanz der eigenen Seele zum Ausdruck bringt.

Nietzsche verwendet in diesem Gedicht eine bildreiche Sprache, die reich an Metaphern und Sinneseindrücken ist. Das Zusammenspiel von Licht, Musik und Wasser erzeugt eine Atmosphäre von Melancholie und Schönheit. Die Frage am Ende des Gedichts lässt Raum für Interpretation und reflektiert über die menschliche Sehnsucht nach Verbindung und Anerkennung. Es ist ein Gedicht, das die flüchtigen Momente der Schönheit einfängt und die innere Welt des Menschen erforscht, während dieser von der äußeren Welt berührt wird.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.