Vber Herrn Andreas Hindenberges new erfundenen Zehltisch.
1624Wer sind die Leute doch die gäntzlich darvor halten Daß wir bey weitem nicht zugleichen sind den Alten / Was Kunst vnd Witz belangt? sie leben in der Welt / Vnd wissen nicht was Gott mit jhr vor Ordnung helt.
Der weise Künstler hat ein Wechsel aller Sachen Die auff der Erden sind / vnd die wir Menschen machen / Nicht bloß auß vnsrer Krafft: es ist hier so bewandt / Daß nichts beständig sey als nur der Vnbestand.
Schaw wie ein jeglichs Ding zum ersten wird erfunden Durch Arbeit vnd Vernunfft; wächst dann gemach von stunden Zu stunden wider auff / biß es zum höchsten kömpt / Vnd nachmals vnvermerckt auch seinen Abschied nimpt.
Die klugen Alten zwar (ich muß es nur bekennen) Die haben viel gehabt das wir nun einig nennen / Vnd nirgend nicht mehr sehn; doch wird jetzt auffgebracht Nicht minder künstlichs thun darauff sie nie gedacht.
Was ist der Druckerey doch irrgend vorzuziehen / Der edlen Druckerey / durch die die Künste blühen / Vnd so viel Bücher jetzt gebracht sind an den Tag Mit denen man Athen vnd Rom auch trotzen mag?
Ja wir gedencken vns wie Meister fast zu werden Deß grossen Jupiters / vnd donnern auff der Erden Durch deß Geschützes Plitz; die Berge zittern auch / Die Wolcken werden schwartz von vnsers Pulvers Rauch′ /
Vnd lauffen schneller fort. Verhaw′ vns zu dem Strande Deß Meeres Weg vnd Steg; wir segeln hier zu Lande / Vnd schiffen ohne See. Verjag′ vns auß der Welt / Wir haben eine new′ / in welcher Gold vnd Geld
Nicht minder häuffig ist. Wilt du vns Gifft beybringen / Die Porcellane wird vns in der Hand zerspringen / Vnd sagen was du thust. Wie schlecht die Bügel seyn / So setzen wir vns doch mit jhnen fester ein /
Vnd lassen vns so bald nicht auß dem Sattel heben. Es pflegt die Sonnevhr vns Vnterricht zu geben Vmb welche Zeit es sey. Der köstliche Magnet Zeigt wo das schwache Schiff auch bey der Nacht hingeht /
Vmbringt durch Wind vnd Flut. Wir kennen hier von fernen Durch eines Glases Liecht den Monden vnd die Sternen / Als stünden wir darbey / vnd sind zu Kriegeszeit Vor einen Einfall auch vielmehr als sonst befreyt.
Wir können mit der Glut auß jedem Kraut′ erzwingen Die Krafft vnd Seele selbst. Vnnd was von andern Dingen, Sonst hin vnd wider noch nicht vnlängst ist entdeckt / Das vor so lange lag in tiefer Nacht versteckt.
Hierbey wird nun dein Tisch / Herr Hindenberg / gesetzet / Für manchen trefflich gut / der bey dem Gelde schwätzet / Vnd falsche Rechnung macht: der bleibt nun vngequelt / In dem er für sich hat den Tisch der selber zehlt.
So lange das Gewerb′ vnd Kauffmannschafft auff Erden Wird altem Brauche nach durch Geld getrieben werden Das allen ist so lieb / so lange wird man dein / Vnd deiner schönen Kunst / zum besten indenck seyn.
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Interpretation
Das Gedicht "Vber Herrn Andreas Hindenberges new erfundenen Zehltisch" von Martin Opitz lobt die moderne Erfindungsgabe und technischen Fortschritt seiner Zeit. Opitz preist die Errungenschaften wie den Buchdruck, die Schusswaffen, die Navigation und die wissenschaftlichen Instrumente, die die Alten in ihrer Zeit nicht kannten. Er betont, dass die Alten zwar vieles erfunden haben, aber die Gegenwart nicht zurücksteht und sogar noch kreativere Dinge hervorbringt. Opitz sieht den Zehltisch als Symbol für den Fortschritt und die Rationalisierung der Geschäftswelt, der Betrügereien und Fehlkalkulationen vermeidet. In den mittleren Strophen des Gedichts führt Opitz eine Reihe von modernen Errungenschaften auf, die die Alten nicht kannten. Er erwähnt den Buchdruck, der es ermöglicht, viele Bücher zu verbreiten und damit Athen und Rom herauszufordern. Auch die Schusswaffen, die Donner und Blitze imitieren, die Navigationstechniken, die das Reisen auf dem Land und auf dem Wasser erleichtern, die Porzellanherstellung, die Sonnenuhr, der Magnetkompass, das Fernrohr und die Alchemie werden als Beispiele für den Fortschritt genannt. Opitz stellt damit die These auf, dass die Gegenwart nicht minder kreativ und innovativ ist als die Antike. Das Gedicht endet mit einem Lob auf den Zehltisch von Andreas Hindenberg, der als nützliche Erfindung für Kaufleute und Geschäftsleute dargestellt wird. Opitz betont, dass der Zehltisch falsche Rechnungen und Betrügereien vermeidet und somit zu einem effizienteren und ehrlicheren Geschäftsleben beiträgt. Er prophezeit, dass solange der Handel und das Gewerbe auf der Erde existieren, der Zehltisch und die Kunst von Hindenberg in guter Erinnerung bleiben werden. Damit schließt Opitz den Kreis zu seiner These über den Fortschritt und die Modernität seiner Zeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die klugen Alten zwar
- Hyperbel
- So lange wird man dein / Vnd deiner schönen Kunst / zum besten indenck seyn
- Metapher
- Hierbey wird nun dein Tisch / Herr Hindenberg / gesetzet
- Personifikation
- Der bleibt nun vngequelt