Vatican

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1870

Ist′s denn wirklich so groß, das vatican′sche Museum, Wie viel hätte man denn nöthig, es ganz zu durchgehn? »Wohl drei Stunden, mein Herr, doch die Kunst -« Ich bin ein berühmter Läufer, basta, und so komm′ ich in anderthalb durch.

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Illustration zu Vatican

Interpretation

Das Gedicht "Vatican" von Wilhelm Friedrich Waiblinger handelt von einem Besuch im Vatikanischen Museum. Der Sprecher fragt sich, wie groß das Museum tatsächlich ist und wie lange es dauern würde, es vollständig zu durchqueren. Ein Führer antwortet, dass man wohl drei Stunden benötigen würde, doch der Sprecher unterbricht ihn mit den Worten "Ich bin ein berühmter Läufer, basta" und behauptet, dass er das Museum in anderthalb Stunden durchlaufen könne. Das Gedicht ist eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit und Effizienz. Der Sprecher scheint ein ehrgeiziger und selbstbewusster Mensch zu sein, der sich selbst als "berühmter Läufer" bezeichnet und sich nicht mit der Einschätzung des Führers zufrieden gibt. Er will das Museum in kürzester Zeit durchqueren und dabei die Kunstwerke nur flüchtig wahrnehmen. Das Gedicht kann auch als Kritik an der modernen Gesellschaft verstanden werden, in der Zeit oft als knappes Gut betrachtet wird und Effizienz als oberstes Gebot gilt. Der Sprecher scheint die Kunstwerke im Museum nicht wirklich zu würdigen, sondern nur schnell durchzulaufen, um sein Ziel zu erreichen. Es stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, Kunstwerke nur oberflächlich zu betrachten oder ob es nicht lohnender ist, sich Zeit zu nehmen und sich intensiver mit ihnen auseinanderzusetzen.

Schlüsselwörter

wirklich groß vatican sche museum viel hätte nöthig

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Stilmittel

Rhetorische Frage
Ist's denn wirklich so groß, das vatican'sche Museum?
Übertreibung
Wohl drei Stunden, mein Herr, doch die Kunst - Ich bin ein berühmter Läufer, basta, und so komm' ich in anderthalb durch.