Vater unser
1787Jehovah! den mit Zittern Das Heer der Geister ehrt, Und den aus Nachtgewittern Der Sünder donnren hört, Den Erd und Himmel kennen - Dich darf ich Vater nennen, Dein Sohn hat michs gelehrt.
Mein Vater! Himmelswonne Liegt in dem Namen! Dich, Den Schöpfer dieser Sonne, Dich, Welterhalter, Dich! Darf ich als Vater loben, Wie deine Geister droben; Als Kind erhörst du mich!
Ihr Kinder, so versammelt Euch um des Vaters Thron; Gebete, die ihr stammelt, Sind ihm ein süßer Ton. Ja, Vater! hör uns singen; Wann wir mit Ohnmacht ringen, So sieh auf deinen Sohn.
Laß deines Namens Ehre Uns Menschen heilig seyn; Ihn müsse falsche Lehre Und Laster nie entweihn. O, unser Vater! flöße Erkenntniß deiner Größe In unsre Herzen ein!
O laß es kommen, kommen Dein Reich voll Recht und Licht, Zur Rettung deiner Frommen, Den Frevlern zum Gericht, Vertilge bald die Rotte, Die mit verfluchtem Spotte Von deinem Sohne spricht.
Herr! es gescheh′ dein Wille, Wie dort, so in der Zeit; Mit Demuth, Herzensstille, Und Engelschnelligkeit; Erklär′ es unsern Seelen, Wann wir aus Schwachheit fehlen, Was uns dein Wort gebeut.
Still unsre Erdensorgen; Gieb Hülle, Trank und Brod, Nur heute; denn der Morgen Findt uns vielleicht schon todt. Wann Noth und Mangel drücken, Lehr auf zu dir uns blicken, Dem Stiller jeder Noth.
Vergieb uns unsre Sünden, Du bist ja voll Geduld; Kein Engel kann ergründen Die Tiefe deiner Huld. Schenkst du uns Schuld und Leben, So laß uns auch vergeben Den Brüdern ihre Schuld.
Schwingst du die Vaterruthe, Versucht uns Höll′ und Welt, So rüst uns mit dem Muthe, Der uns im Kampf erhält; Sey du des Schwachen Stütze, Wann in des Kampfes Hitze Ihm Muth und Kraft entfällt.
Erlös uns von dem Bösen Durch sanften Christentod; Wer kann uns sonst erlößen, Als du, aus aller Noth? Aus Armuth, Krankheit, Banden, Verführung, Schmach und Schanden, Und was uns Armen droht.
Dein ist das Reich, die Ehre, Macht, Kraft und Herrlichkeit! Dir jauchzen Engelheere, Dir tönt das Lied der Zeit! Preis deinem großen Namen Jehovah! Amen! Amen Jetzt, und in Ewigkeit!
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Interpretation
Das Gedicht "Vater unser" von Christian Friedrich Daniel Schubart ist eine tiefgründige und bewegende Auseinandersetzung mit dem christlichen Gebet und der Beziehung zwischen Gott und den Menschen. In neun Strophen wird das "Vater unser" in eine poetische Form übertragen, die die verschiedenen Aspekte des Gebets und die menschliche Abhängigkeit von Gott beleuchtet. Das Gedicht beginnt mit einer Anrufung Gottes als "Jehovah" und betont die Ehrfurcht und den Respekt, den die himmlischen Heerscharen dem Schöpfer entgegenbringen. Der Sprecher, ein Sünder, der Gottes Stimme aus den "Nachtgewittern" hört, darf Gott als "Vater" ansprechen, da ihm dies Jesus Christus gelehrt hat. Dies setzt den Ton für das gesamte Gedicht, das die intime Beziehung zwischen Gott und den Menschen als Kinder und Vater hervorhebt. Die folgenden Strophen behandeln verschiedene Aspekte des "Vater unser". Der Sprecher preist Gottes Namen und bittet darum, dass er unter den Menschen heilig gehalten wird. Er fleht um das Kommen von Gottes Reich, das von Gerechtigkeit und Licht erfüllt sein wird, zur Rettung der Frommen und zum Gericht über die Frevler. Der Sprecher bittet auch darum, dass Gottes Wille geschehe, sowohl im Himmel als auch auf Erden, und dass er in Zeiten der Not und des Mangels Trost und Unterstützung erfährt. Das Gedicht schließt mit einer Bitte um Vergebung der Sünden und um Erlösung vom Bösen. Der Sprecher erkennt Gottes Größe und Macht an und preist seinen Namen als "Jehovah" in einem feierlichen "Amen". Die letzte Zeile "Jetzt, und in Ewigkeit!" unterstreicht die ewige Natur der Beziehung zwischen Gott und den Menschen und die Beständigkeit des Glaubens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- alliteration
- Schöpfer dieser Sonne
- anapher
- Jehovah! den mit Zittern
- euphemismus
- Sanften Christentod
- parallelismus
- Dein Sohn hat michs gelehrt
- personifikation
- Der Sünder donnern hört