V. Von den elben
1941I
Von den elben wirt entsehen vil manic man, sô bin ich von grôzer liebe entsên von der besten, die ie dehein man ze vriunt gewan. wil aber sî der umbe mich vên Und ze unstaten stên, mac si danne rechen sich und tuo, des ich si bite. sô vreut si sô sêre mich, daz mîn lîp vor wunnen muoz zergên.
II
Sî gebiutet und ist in dem herzen mîn vrowe und hêrer, danne ich selbe sî. hei wan muoste ich ir alsô gewaltic sîn, daz si mir mit triuwen waere bî Ganzer tage drî unde eteslîche naht! sô verlür ich niht den lîp und al die maht. jâ ist si leider vor mir alze vrî.
III
Mich enzündet ir vil liehter ougen schîn, same daz viur den durren zunder tuot, und ir vremeden krenket mir daz herze mîn same daz wazzer die vil heize gluot. Und ir hôher muot und ir schoene und ir werdecheit und daz wunder, daz man von ir tugenden seit, daz wirt mir vil übel - oder lîhte guot?
IV
Swenne ir liehten ougen sô verkêrent sich, daz si mir aldur mîn herze sên, swer dâ enzwischen danne gêt und irret mich, dem muoze al sîn wunne gar zergên! Ich muoz vor ir stên unde warten der vröiden mîn rehte alsô des tages diu kleinen vogellîn. wenne sol mir iemer liep geschên?
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Von den Elben" von Heinrich von Morungen ist ein Minnelied, das die tiefe und leidenschaftliche Liebe des lyrischen Ichs zu einer Frau beschreibt. Die Frau wird als "die Beste" bezeichnet, die kein Mann je als Freund gewonnen hat, was ihre Einzigartigkeit und Unerreichbarkeit unterstreicht. Das Ich fühlt sich von ihrer Liebe verzehrt und wünscht sich, dass sie sich ihm zuwendet, da er sonst vor Wonne vergehen würde. Im zweiten Teil des Gedichts drückt das Ich seine Unterwerfung unter die Frau aus, die sowohl seine Herrin als auch seine Herrin ist. Er sehnt sich danach, dass sie ihm für drei Tage und einige Nächte treu bleibt, was seine tiefe Sehnsucht und Hingabe zeigt. Trotz seiner Bereitschaft, alles für sie zu geben, bedauert er, dass sie zu frei ist, was auf eine gewisse Distanz oder Unerreichbarkeit hindeutet. Im dritten Teil beschreibt das Ich die Wirkung der Frau auf ihn. Ihre hellen Augen entzünden ihn wie Feuer das trockene Holz, und ihre fremde Art kränkt sein Herz wie Wasser die heiße Glut. Ihre hohe Art, Schönheit und Würde sowie die Wunder, die man von ihren Tugenden erzählt, bringen ihm entweder viel Übel oder Licht und Gutes. Das Ich ist hin- und hergerissen zwischen der Qual und der Freude, die die Frau in ihm auslöst. Im vierten Teil des Gedichts beschreibt das Ich die Verzweiflung, die er empfindet, wenn die hellen Augen der Frau sich ihm zuwenden und sein Herz sehen. Er fühlt sich verwirrt und verloren, und seine ganze Freude vergeht. Er muss vor ihr stehen und auf ihre Freude warten, wie die kleinen Vögel des Tages. Das Ich fragt sich, wann ihm jemals Liebe widerfahren wird, was seine Unsicherheit und Sehnsucht nach einer erwiderten Liebe unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sô sêre mich
- Anapher
- und ir schoene und ir werdecheit
- Hyperbel
- daz mîn lîp vor wunnen muoz zergên
- Metapher
- Von den elben wirt entsehen vil manic man
- Personifikation
- Mich enzündet ir vil liehter ougen schîn
- Rhetorische Frage
- wenne sol mir iemer liep geschên?
- Vergleich
- same daz viur den durren zunder tuot