Untreu

August Stramm

1915

Dein Lächeln weint in meiner Brust Die glutverbissnen Lippen eisen Im Atem wittert Laubwelk! Dein Blick versargt Und Hastet polternd Worte drauf. Vergessen Bröckeln nach die Hände! Frei Buhlt dein Kleidsaum Schlenkrig Drüber rüber!

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Illustration zu Untreu

Interpretation

Das Gedicht "Untreu" von August Stramm ist ein expressionistisches Werk, das die zerrüttete und verlorene Liebe des lyrischen Ichs beschreibt. Die Sprache ist geprägt von einer ungewöhnlichen Wortstellung, Neologismen und einer fragmentierten Syntax, die den emotionalen Aufruhr und die Desorientierung des Sprechers widerspiegelt. Das Gedicht beginnt mit dem Bild des Lächelns der Geliebten, das im Inneren des lyrischen Ichs weint. Dieses paradoxe Bild deutet auf die innere Zerrissenheit und den Schmerz hin, den die Untreue der Geliebten verursacht. Die "glutverbissnen Lippen" und der "Atem", der "Laubwelk" wittert, verstärken das Gefühl von Verfall und Verlust. Die folgenden Zeilen beschreiben den Blick der Geliebten als "versargt" und ihre Worte als "polternd". Diese Bilder vermitteln den Eindruck von Kälte, Leere und Aggressivität. Die "vergessenen" Hände, die "bröckeln", symbolisieren den Verlust der Intimität und die Auflösung der Beziehung. Im letzten Teil des Gedichts wird die Untreue der Geliebten direkt angesprochen. Ihr "Kleidsaum" wird als "frei" beschrieben und "buhlt" mit anderen. Das Verb "buhlt" hat eine sexuelle Konnotation und deutet auf die promiskuitive Natur der Geliebten hin. Die Bewegungen ihres Kleides werden als "schlenkrig" und "rüber rüber" beschrieben, was ein Gefühl von Ungebundenheit und Ziellosigkeit vermittelt.

Schlüsselwörter

lächeln weint brust glutverbissnen lippen eisen atem wittert

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schlenkrig Drüber rüber
Metapher
Frei Buhlt dein Kleidsaum
Personifikation
Dein Lächeln weint