Unterscheidung

Heinrich von Kleist

1777

Schauet dort jene! Die will ihre Schönheit in dem, was ich dichte, Finden, hier diese, die legt ihre, o Jubel, hinein!

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Interpretation

Das Gedicht "Unterscheidung" von Heinrich von Kleist beschäftigt sich mit der unterschiedlichen Herangehensweise zweier Frauen an die Poesie. Die erste Frau sucht ihre Schönheit in dem, was der Dichter dichtet, während die zweite Frau ihre Schönheit in das Gedicht hineinlegt. Diese Unterscheidung verdeutlicht die verschiedenen Rollen, die Frauen in der Dichtung einnehmen können: als Muse, die Inspiration spendet, oder als aktive Schöpferin, die ihre eigene Schönheit in das Werk einfließen lässt. Die erste Frau, die ihre Schönheit in der Dichtung findet, wird als passiv dargestellt. Sie ist auf der Suche nach sich selbst in den Worten des Dichters und lässt sich von dessen Schöpfung definieren. Diese Haltung entspricht dem traditionellen Bild der Muse, die als Inspirationsquelle dient, aber selbst nicht aktiv am kreativen Prozess teilnimmt. Die zweite Frau hingegen übernimmt eine aktive Rolle, indem sie ihre Schönheit in das Gedicht einbringt. Sie ist nicht nur Objekt der Dichtung, sondern auch Subjekt, das den kreativen Prozess mitgestaltet. Die Verwendung des Wortes "Jubel" in Bezug auf die zweite Frau unterstreicht die positive Wertschätzung, die der Dichter ihrer aktiven Rolle entgegenbringt. Es deutet auf eine gewisse Begeisterung und Bewunderung für Frauen hin, die sich nicht nur von der Poesie beeinflussen lassen, sondern selbst Einfluss auf die Dichtung nehmen. Insgesamt präsentiert das Gedicht eine differenzierte Sicht auf die Beziehung zwischen Frauen und Poesie, die über das einfache Modell der Muse hinausgeht und die aktive Teilhabe von Frauen am kreativen Prozess anerkennt.

Schlüsselwörter

schauet will schönheit dichte finden legt jubel hinein

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
o Jubel
Kontrast
hier diese, die legt ihre, o Jubel, hinein!
Metapher
ihre Schönheit in dem, was ich dichte
Rhetorische Frage
Schauet dort jene!