Unter den Masken
1866Oh, wie sie mich irritierten! Doch nun kenn′ ich ja das Spiel - Unter lauter Wohlmaskierten Ging ich simpel in Zivil:
Trug nicht bunte Faschingstrachten So wie sie das ganze Jahr - Und sie stutzten, und sie lachten, Weil ich ohne Rückhalt war,
Ohne heimlichste Gedanken, Ohne schlauen Hintergrund - Hu, wie wirrte das die Kranken, Daß ich blank war und gesund!
Und es wußten Herrn und Damen Keine Rettung aus der Not: Als, daß sie für Maske nahmen, Was ich ihnen ehrlich bot.
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Interpretation
Das Gedicht "Unter den Masken" von Hanns von Gumppenberg beschreibt die Erfahrung des lyrischen Ichs, das sich in einer Gesellschaft von maskierten Menschen befindet. Die Masken symbolisieren hier die Fassaden und Verstellungen, die die Menschen im Alltag anlegen, um ihre wahren Gedanken und Gefühle zu verbergen. Das Ich tritt ohne Maske auf und ist dadurch verwundbar, aber auch authentisch und gesund. Die ersten beiden Strophen schildern die Irritation des lyrischen Ichs angesichts der Maskiertheit der anderen. Es fühlt sich als Außenseiter, der nicht am "Spiel" der Verstellung teilnimmt. In der dritten Strophe wendet sich das Gedicht. Das Ich erkennt die Krankheit der maskierten Gesellschaft und empfindet seine eigene Offenheit als gesund und befreiend. Es irritiert die Maskierten, weil sie nicht mehr wissen, wie sie mit dieser Ehrlichkeit umgehen sollen. Die letzte Strophe verdeutlicht die Ratlosigkeit der maskierten Gesellschaft angesichts der Authentizität des lyrischen Ichs. Sie können nicht anders, als das Angebot des Ichs, nämlich Ehrlichkeit und Offenheit, als weitere Maske zu interpretieren. Das Gedicht kritisiert somit die Verstellung und Unehrlichkeit in der Gesellschaft und plädiert für ein authentisches, unverbogenes Leben ohne Masken und Hintergedanken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was ich ihnen ehrlich bot
- Metapher
- Als, daß sie für Maske nahmen
- Personifikation
- Doch nun kenn′ ich ja das Spiel