Unstet in meinen Schritten
unknownUnstet in meinen Schritten, Herr, hab ich oft gefehlt, Du hast durch mich gelitten, Ach! Wunden ungezählt.
Laß mich nicht lang mehr wallen, Führ mich an deiner Hand, Wo ich nicht mehr kann fallen, Heim in dein Vaterland.
Laß nicht mein Herz erkalten, Herr Jesu! du allein Mach Wesen aus Gestalten, Und führ den Schein ins Sein.
Es bleichten meine Tränen Den Schleier nimmer rein, Herr, schenke meinem Sehnen Der Gnade Sonnenschein.
Herr, werfe mir herüber Ein Blatt aus deinem Kranz, Geschmückt darf ich hinüber Dann in der Bräute Glanz.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Unstet in meinen Schritten" von Clemens Brentano thematisiert die Suche des lyrischen Ichs nach spiritueller Erlösung und die Sehnsucht nach der Nähe Gottes. Das Ich gesteht seine Fehlerhaftigkeit und Unbeständigkeit ein, erkennt jedoch auch die Gnade und das Leid Christi an. Es bittet darum, auf dem rechten Weg geführt zu werden und nicht mehr zu straucheln, um schließlich im "Vaterland" - als Metapher für das himmlische Paradies - anzukommen. Brentano verwendet dabei religiöse Bilder und Symbole, wie den "Kranz" als Symbol für die Heiligkeit und den "Schleier" als Symbol für die Sünde oder die Unvollkommenheit des Menschen. Das lyrische Ich bittet darum, von Christus "geformt" und aus der Unvollkommenheit in die Vollkommenheit geführt zu werden. Die "Tränen", die den "Schleier" nicht reinigen konnten, werden durch das "Sonnenschein" der Gnade ersetzt, was die transformative Kraft der göttlichen Liebe symbolisiert. Das Gedicht endet mit einer Bitte um ein "Blatt" aus dem Kranz Christi, das das lyrische Ich in die Gemeinschaft der "Braut" - ein Symbol für die Kirche oder die Gemeinschaft der Gläubigen - eintreten lässt. Dies unterstreicht die Sehnsucht des Ichs nach Zugehörigkeit und die Hoffnung auf Erlösung. Das Gedicht ist somit eine tiefe, persönliche Auseinandersetzung mit Glaube, Sünde und Erlösung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Es bleichten meine Tränen Den Schleier nimmer rein
- Metapher
- Herr, schenke meinem Sehnen Der Gnade Sonnenschein.
- Personifikation
- Laß nicht mein Herz erkalten
- Symbolik
- Herr, werfe mir herüber Ein Blatt aus deinem Kranz, Geschmückt darf ich hinüber Dann in der Bräute Glanz.