Unsere Zeit

Friedrich Hebbel

1813

Es ist die Zeit des stummen Weltgerichts; In Wasserfluten nicht und nicht in Flammen: Die Form der Welt bricht in sich selbst zusammen, Und dämmernd tritt die neue aus dem Nichts.

Der Dichter zeigt im Spiegel des Gedichts, Wie Tag und Nacht im Morgenrot verschwammen, Doch wird er nicht beschwören, nicht verdammen, Der keusche Priester am Altar des Lichts.

Er soll mit reiner Hand des Lebens pflegen, Und, wie er für des Frühlings erste Blüte Ein Auge hat, und sie mit Liebe bricht:

So darf er auch des Herbstes letzten Segen Nicht übersehn, und die zu spät erglühte Nicht kalt verschmähen, wenn den Kranz er flicht.

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Illustration zu Unsere Zeit

Interpretation

Das Gedicht "Unsere Zeit" von Friedrich Hebbel beschreibt eine Zeit des Umbruchs und der Veränderung, die als "stummes Weltgericht" bezeichnet wird. Die alte Weltordnung bricht zusammen, und eine neue Welt tritt aus dem Nichts hervor. Der Dichter sieht sich selbst als einen "keuschen Priester am Altar des Lichts", der das Leben pflegen und alle Phasen des Lebens, vom Frühling bis zum Herbst, wertschätzen soll. Der zweite Teil des Gedichts betont die Rolle des Dichters als Beobachter und Beschützer des Lebens. Er soll ein Auge für die erste Blüte des Frühlings haben und sie mit Liebe brechen, aber auch den letzten Segen des Herbstes nicht übersehen und die zu spät erglühte nicht kalt verschmähen. Der Dichter wird aufgefordert, alle Aspekte des Lebens zu umarmen und zu schätzen, unabhängig von ihrer Zeit oder ihrem Aussehen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Akzeptanz und des Respekts für alle Lebensphasen und -formen. Es fordert den Dichter auf, ein aufmerksamer Beobachter und ein liebevoller Beschützer des Lebens zu sein, der alle Aspekte des Lebens, von der Geburt bis zum Tod, würdigt und ehrt.

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Stilmittel

Metapher
Des Herbstes letzten Segen
Personifikation
Es ist die Zeit des stummen Weltgerichts