Unsere Träume sind Marmorhermen

Rainer Maria Rilke

1875

Unsere Träume sind Marmorhermen, die wir in unsere Tempel stellen, und sie mit unseren Kränzen erhellen und sie mit unseren Wünschen erwärmen.

Unsere Worte sind goldene Büsten, die wir in unsere Tage tragen, - die lebendigen Götter ragen in der Kühle anderer Küsten.

Wir sind immer in Einem Ermatten, ob wir rüstig sind oder ruhn, aber wir haben strahlende Schatten, welche die ewigen Gesten tun.

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Interpretation

Das Gedicht "Unsere Träume sind Marmorhermen" von Rainer Maria Rilke handelt von der menschlichen Sehnsucht nach Schönheit, Vollkommenheit und Unsterblichkeit. Die Träume werden als Marmorhermen beschrieben, die in Tempel gestellt werden, um sie mit Kränzen zu erhellen und mit Wünschen zu erwärmen. Dies symbolisiert den Versuch, die Träume zu veredeln und ihnen einen festen Platz im Leben zu geben. Die Worte werden als goldene Büsten dargestellt, die in die Tage getragen werden. Dies verdeutlicht die Bedeutung der Sprache und der Kommunikation für den Menschen. Die lebendigen Götter, die in der Kühle anderer Küsten ragen, könnten als Metapher für die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren und dem Wunsch nach einem höheren Sinn dienen. Im letzten Vers wird die menschliche Endlichkeit und Vergänglichkeit betont. Trotz aller Anstrengungen und Ruhephasen sind die Menschen immer ermattet. Doch sie haben strahlende Schatten, die die ewigen Gesten vollführen. Dies könnte als Trost verstanden werden, dass auch wenn der Mensch selbst begrenzt ist, er doch Teil eines größeren Ganzen ist und seine Wirkung über seinen Tod hinaus bestehen kann.

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Kontrast
ob wir rüstig sind oder ruhn
Metapher
Unsere Worte sind goldene Büsten
Parallelismus
die wir in unsere Tage tragen
Personifikation
welche die ewigen Gesten tun