Unser Herz
1891Kleines Ding, um uns zu quälen, Hier in diese Brust gelegt, Wüßte mancher was er trägt, Würde wünschen, tätst ihm fehlen.
Deine Schläge, wie so selten, Mischt sich Lust in sie hinein Und wie sind sie schnell, mit Pein Jede Lust ihm zu vergelten!
Dennoch, weder Lust noch Qualen Wär′ weit schrecklicher als das. Lieber schmelzt mein Herz zu Glas! Meines Schicksals heiße Strahlen,
Lieben, hassen, streben, zittern, Hoffen, zagen bis ins Mark. Ach, das Leben wär′ ein Quark Tätest du es nicht verbittern.
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Interpretation
Das Gedicht "Unser Herz" von Jakob Michael Reinhold Lenz beschreibt die zwiespältige Natur des menschlichen Herzens. Es wird als ein kleines, quälendes Ding dargestellt, das in die Brust gelegt wurde. Der Sprecher reflektiert darüber, dass viele Menschen, wenn sie wüssten, was sie mit ihrem Herzen tragen, es lieber nicht hätten. Die Schläge des Herzens bringen selten Lust mit sich, und jede Freude wird schnell von Schmerz überschattet. Trotz der Qualen und Freuden, die das Herz bereitet, wäre weder das eine noch das andere so schrecklich wie ein Leben ohne Emotionen. Der Sprecher bevorzugt es, dass sein Herz zu Glas schmilzt, als gefühllos zu sein. Die intensiven Gefühle von Liebe, Hass, Streben, Zittern, Hoffen und Bangen durchdringen das Mark. Ohne die Bitterkeit, die das Leben mit sich bringt, wäre das Leben bedeutungslos, wie Quark. Das Gedicht verdeutlicht die Ambivalenz der menschlichen Existenz. Das Herz ist sowohl Quelle von Schmerz als auch von Freude. Doch letztendlich ist es besser, ein Herz zu haben, das fühlt, auch wenn es leidet, als gefühllos zu sein. Die Intensität der Emotionen, sowohl positiv als auch negativ, macht das Leben lebenswert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Lieben, hassen, streben, zittern
- Hyperbel
- Wüßte mancher was er trägt, Würde wünschen, tätst ihm fehlen
- Kontrast
- Deine Schläge, wie so selten, Mischt sich Lust in sie hinein
- Metapher
- Ach, das Leben wär′ ein Quark
- Personifikation
- Meines Schicksals heiße Strahlen