Unser Herz
1751Kleines Ding, um uns zu quälen, Hier in diese Brust gelegt, Wüßte mancher was er trägt, Würde wünschen, tätst ihm fehlen.
Deine Schläge, wie so selten, Mischt sich Lust in sie hinein Und wie sind sie schnell, mit Pein Jede Lust ihm zu vergelten!
Dennoch, weder Lust noch Qualen Wär’ weit schrecklicher als das. Lieber schmelzt mein Herz zu Glas! Meines Schicksals heiße Strahlen,
Lieben, hassen, streben, zittern, Hoffen, zagen bis ins Mark. Ach, das Leben wär’ ein Quark Tätest du es nicht verbittern.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Unser Herz" von Jakob Michael Reinhold Lenz beschreibt das menschliche Herz als ein kleines, quälendes Ding, das in unsere Brust gelegt wurde. Der Sprecher deutet an, dass viele Menschen nicht wissen, was sie in sich tragen und wünschen würden, es würde ihnen fehlen, wenn sie es wüssten. Dies legt nahe, dass das Herz eine Quelle von Schmerz und Leiden ist. Die zweite Strophe geht auf die Schläge des Herzens ein, die selten sind und eine Mischung aus Lust und Schmerz enthalten. Der Sprecher beschreibt, wie schnell die Schläge des Herzens jede Lust mit Pein vergelten. Dies deutet auf die unbeständige Natur der menschlichen Emotionen hin, die oft von Freude zu Trauer wechseln. In der dritten Strophe kommt der Sprecher zu dem Schluss, dass weder Lust noch Qualen so schrecklich wären wie das Leben ohne das Herz. Er vergleicht sein Herz mit Glas, das von den heißen Strahlen des Schicksals geschmolzen wird. Der Sprecher akzeptiert die Höhen und Tiefen des Lebens, einschließlich Liebe, Hass, Streben, Zittern, Hoffen und Bangen. Ohne diese Emotionen wäre das Leben bedeutungslos und leer.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Tätest du es nicht verbittern
- Kontrast
- Deine Schläge, wie so selten, Mischt sich Lust in sie hinein
- Metapher
- Kleines Ding, um uns zu quälen
- Personifikation
- Hier in diese Brust gelegt
- Übertreibung
- Lieber schmelzt mein Herz zu Glas!