Unruhe

Alfred Wolfenstein

1914

Warten zwischen vielen auf den Arzt . . Zwischen weißen Blicken, Schmerzmusiken, Fremder Bilder grinsenden Mimiken, Den Gerüchen, dünner Wanduhr Pieken… Aus den Ecken, Möbeln her starrt’s schwarz…

Und er sitzt noch… bald gefasst, bald schwank, - Aber endlich - fort! - zu süßen Flüssen Wieder fort! - verbergenden Genüssen - Niemals wieder warten! - nichts mehr müssen! - Und vielleicht ist er nun immer krank.

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Illustration zu Unruhe

Interpretation

Das Gedicht "Unruhe" von Alfred Wolfenstein beschreibt die Erfahrung des Wartens auf einen Arztbesuch. Die Atmosphäre ist geprägt von Anspannung und Unbehagen. Der Sprecher befindet sich in einem Wartezimmer, umgeben von "weißen Blicken", was auf die klinische Umgebung und die angespannten Gesichter der anderen Wartenden hindeutet. Die "Schmerzmusiken" und "grinsenden Mimiken" der fremden Bilder verstärken das Gefühl der Unruhe und des Unbehagens. Die Gerüche und das Ticken der Wanduhr tragen zur bedrückenden Stimmung bei, während die schwarzen Blicke aus den Ecken und Möbeln eine bedrohliche Präsenz suggerieren. Die zweite Strophe reflektiert den inneren Zustand des Wartenden. Er sitzt da, mal gefasst, mal schwankend, was seine Nervosität und Unsicherheit verdeutlicht. Der Ausruf "fort!" signalisiert einen Wunsch nach Flucht und Erleichterung. Die "süßen Flüsse" und "verbergenden Genüsse" stehen symbolisch für eine Flucht in Vergnügen oder Ablenkung, um dem Warten und den damit verbundenen Pflichten zu entkommen. Der Ausruf "niemals wieder warten! - nichts mehr müssen!" drückt den Wunsch nach Freiheit und Autonomie aus. Die letzte Zeile, "Und vielleicht ist er nun immer krank", lässt Raum für Interpretation. Sie könnte darauf hindeuten, dass der Sprecher sich selbst als krank ansieht, um das Warten und die damit verbundenen Pflichten zu rechtfertigen. Alternativ könnte sie auch eine resignative Haltung ausdrücken, in der der Sprecher sich in einem Zustand der ständigen Unruhe und des Wartens gefangen fühlt. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein tiefes Gefühl der Unruhe und des Unbehagens, das mit dem Warten auf den Arzt verbunden ist.

Schlüsselwörter

warten zwischen bald fort vielen arzt weißen blicken

Wortwolke

Wortwolke zu Unruhe

Stilmittel

Anapher
Zwischen weißen Blicken, Schmerzmusiken, Fremder Bilder grinsenden Mimiken, Den Gerüchen, dünner Wanduhr Pieken...
Antithese
zu süßen Flüssen Wieder fort! - verbergenden Genüssen
Ellipsen
- Aber endlich - fort! - zu süßen Flüssen Wieder fort! - verbergenden Genüssen - Niemals wieder warten! - nichts mehr müssen! -
Ironie
- Und vielleicht ist er nun immer krank
Metapher
Schmerzmusiken
Personifikation
Aus den Ecken, Möbeln her starrt's schwarz