Unmut
1814O Herbst! betrübt verhüllst du Strom, Wald und Blumenlust, Erbleichte Flur, wie füllst du Mit Sehnsucht nun die Brust!
Weit hinter diesen Höhen, Die hier mich eng umstellt, Hör ich eratmend gehen Den großen Strom der Welt.
In lichtem Glänze wandelt Der Helden heilger Mut, Es steigt das Land verwandelt Aus seiner Söhne Blut.
Auch mich füllt männlich Trauern, Wie euch, bei Deutschlands Wehn - Und muß in Sehnsuchtsschauern Hier ruhmlos untergehn!
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Interpretation
Das Gedicht "Unmut" von Joseph von Eichendorff thematisiert die melancholische Stimmung des Herbstes und die damit verbundene Sehnsucht nach etwas Größerem. Der Herbst wird als eine betrübte Jahreszeit dargestellt, die Natur verhüllt und erbleicht, was ein Gefühl der Melancholie und Sehnsucht in der Brust des Sprechers auslöst. Der zweite Teil des Gedichts lenkt den Blick des Sprechers über die unmittelbare Umgebung hinaus. Er hört den "großen Strom der Welt" jenseits der Höhen, was auf eine Sehnsucht nach der Weite und dem Fluss des Lebens hindeutet. Die Erwähnung des "Helden heilger Mut" und der Verwandlung des Landes durch das Blut der Söhne deutet auf ein patriotisches Element hin, das die Sehnsucht des Sprechers nach einem heroischen und transformativen Wirken in der Welt verstärkt. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über sein eigenes Schicksal. Er fühlt sich von männlichem Trauern erfüllt, ähnlich wie die Helden, die er bewundert. Doch im Gegensatz zu diesen Helden muss er in Sehnsucht und ohne Ruhm in der aktuellen Situation verharren. Dies verleiht dem Gedicht eine zusätzliche Schicht der Resignation und des Unmuts, da der Sprecher sich seiner eigenen Begrenztheit und der Unmöglichkeit, seine Sehnsüchte zu erfüllen, bewusst ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- männlich Trauern
- Metapher
- muss in Sehnsuchtsschauern hier ruhmlos untergehn
- Personifikation
- Der Helden heilger Mut