Ungewisses Licht

Joseph Christian von Zedlitz

1862

Bahnlos und pfadlos, Felsen hinan Stürmet der Mensch, ein Wandersmann: Stürzende Bäche, wogender Fluß, Brausender Wald, nichts hemmet den Fuß!

Dunkel im Kampfe über ihn hin, Jagend wie Heere, die Wolken ziehn; Rollende Donner, strömender Guß, Sternlose Nacht – nichts hemmet den Fuß!

Endlich, ha! endlich schimmert’s von fern! Ist es ein Irrlicht, ist es ein Stern? Ha, wie der Schimmer so freundlich blinkt, Wie er mich locket, wie er mir winkt!

Rascher durcheilet der Wandrer die Nacht, Hin nach dem Lichte zieht’s ihn mit Macht! Sprecht mir, sind’s Flammen, ist’s Morgenroth? Ist es die Liebe – ist es der Tod?

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Illustration zu Ungewisses Licht

Interpretation

Das Gedicht "Ungewisses Licht" von Joseph Christian von Zedlitz erzählt von einem Menschen, der sich durch eine unwegsame und gefährliche Landschaft kämpft. Der Wanderer bewegt sich bahnlos und pfadlos, überwindet stürzende Bäche, wogende Flüsse und brausende Wälder. Auch die Dunkelheit und die stürmische Nacht können ihn nicht aufhalten. Er ist entschlossen, sein Ziel zu erreichen, egal welche Hindernisse sich ihm in den Weg stellen. Schließlich erblickt der Wanderer in der Ferne ein Licht, das ihn neugierig macht und ihm Hoffnung gibt. Es ist unklar, ob es sich um ein Irrlicht oder einen Stern handelt. Die Helligkeit des Lichts ist verlockend und scheint ihn freundlich anzublicken und zu winken. Der Wanderer wird von einer starken Anziehungskraft zu diesem Licht hingezogen und beschleunigt seinen Schritt durch die Nacht. Im letzten Vers stellt sich die Frage, was das Licht eigentlich ist. Es könnte eine Flamme, das Morgenrot oder sogar die Liebe sein. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass es der Tod ist, der den Wanderer erwartet. Das Gedicht endet mit einer ungewissen und mysteriösen Stimmung, die den Leser zum Nachdenken anregt.

Schlüsselwörter

hemmet fuß hin nacht endlich bahnlos pfadlos felsen

Wortwolke

Wortwolke zu Ungewisses Licht

Stilmittel

Alliteration
Bahnlos und pfadlos, Felsen hinan
Bildsprache
Stürzende Bäche, wogender Fluß
Kontrast
Ist es ein Irrlicht, ist es ein Stern?
Metapher
Bahnlos und pfadlos, Felsen hinan
Personifikation
Wie er mich locket, wie er mir winkt!
Rhetorische Frage
Sprecht mir, sind's Flammen, ist's Morgenroth?
Wiederholung
Nichts hemmet den Fuß!
Wortwiederholung
Bahnlos und pfadlos