Unerwidert
1874Die Blicke sengen kahle Male Dein Nahsein fragt und harrt Und Martert Antwort Auf meiner Seele klagt Dein sehnglutschweres Haupt. Der Mund kraust Haß Und Meine Blicke kichern höhneln An dir Runter! Die Nähe würgt Und nur die ferne Haucht Und beiden Ruhe Ruhe!
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Interpretation
Das Gedicht "Unerwidert" von August Stramm thematisiert die unerfüllte Sehnsucht und die damit verbundenen widersprüchlichen Gefühle. Der Sprecher beschreibt, wie die Blicke des Geliebten ihn durchbohren und eine Antwort fordern, die er jedoch nicht geben kann. Die Nähe des anderen wird als qualvoll empfunden, während die Ferne eine Art Erleichterung verspricht. Die Sprache Stramms ist geprägt von einer expressiven, verdichteten Bildsprache und einer fragmentierten Syntax. Die Sätze sind oft unvollständig und die Wörter werden zu neuen, ungewöhnlichen Komposita verbunden. Dies spiegelt die innere Zerrissenheit und die emotionale Überwältigung des Sprechers wider. Die abschließende Wiederholung von "Ruhe Ruhe!" verdeutlicht den verzweifelten Wunsch nach einem Ende des emotionalen Aufruhrs. Doch bleibt unklar, ob diese Ruhe durch die Erfüllung der Liebe oder durch die endgültige Abkehr vom Geliebten erreicht werden kann. Das Gedicht lässt den Leser mit der ungelösten Spannung zwischen Nähe und Ferne, Liebe und Hass zurück.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Blicke sengen kahle Male
- Metapher
- die ferne Haucht
- Personifikation
- Meine Blicke kichern höhneln
- Wiederholung
- Ruhe Ruhe!