Under der linden

Walther von der Vogelweide

1200

Under der linden an der heide, dâ unser zweier bette was, dâ muget ir vinden schoene beide gebrochen bluomen unde gras. vor dem walde in einem tal, tandaradei, schoene sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen zuo der ouwe: dô was mîn friedel komen ê. dâ wart ich empfangen, here frouwe, daz ich bi saelic iemer mê. kuster mich? wol tusentstunt: tandaradei, seht, wie rôt mir ist der munt.

Dô het er gemachet alsô rîche von bluomen eine bettestat. des wirt noch gelachet inneclîche, kumt iemen an daz selbe pfat. bî den rôsen er wol mac, tandaradei, merken, wa mirz houbet lac.

Daz er bî mir laege, wessez iemen (nu enwelle got!), sô schamt ich mich. wes er mit mir pflaege, niemer niemen bevinde daz, wan er und ich und ein kleinez vogelîn: tandaradei, daz mac wol getriuwe sîn.

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Illustration zu Under der linden

Interpretation

Das Gedicht "Under der linden" von Walther von der Vogelweide beschreibt eine romantische Begegnung zwischen dem lyrischen Ich und seiner Geliebten in der Natur. Der erste Teil des Gedichts schildert die Szenerie unter Linden an einer Heide, wo die beiden ein Bett aus Blumen und Gras angelegt haben. Die Nachtigall singt eine schöne Weise, die die Atmosphäre der Zweisamkeit untermalt. Im zweiten Teil berichtet das lyrische Ich von seinem Kommen zur Geliebten, die es bereits erwartet. Es beschreibt die herzliche Begrüßung durch die "frouwe" und die vielen Küsse, die sie ausgetauscht haben. Die Wangen des lyrischen Ichs glühen vor Verliebtheit. Im dritten Teil wird die intime Atmosphäre noch verstärkt, indem das lyrische Ich von dem Bett aus Blumen erzählt, das der Geliebte für sie angelegt hat. Es lädt den Leser ein, den Pfad zu ihnen zu finden und sich an den Rosen zu orientieren, unter denen das Haupt des lyrischen Ichs ruht. Im letzten Teil des Gedichts wird die Intimität der Begegnung betont. Das lyrische Ich sagt, dass es sich nicht schämen würde, wenn jemand wüsste, dass es mit seiner Geliebten zusammen war. Die beiden sind allein, nur ein kleiner Vogel ist Zeuge ihrer Liebe. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass ein so treues Verhältnis zwischen den beiden bestehen kann.

Schlüsselwörter

daz tandaradei wol schoene bluomen iemen mac under

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Stilmittel

Alliteration
vor dem walde in einem tal
Bildsprache
Under der linden an der heide
Kontrast
daz ich bi saelic iemer mê
Metapher
von bluomen eine bettestat
Personifikation
tandaradei, schoene sanc diu nahtegal
Symbolik
bî den rôsen er wol mac
Wiederholung
tandaradei