Und schöne Raubtierflecken...

Ernst Wilhelm Lotz

1913

Bist du es denn? Groß aus dem Weltraum nachts, der Spiegel ist, Tönt dein zerwehtes Bildnis in meine Seele. Die Sterne durchziehen harfend deine Brust. Du aber …

Du glänzt vielleicht versehnt im weißen Federbett, Traum liegt dir hart im Schoß. -

Oder ein junger Liebling Zieht fühlsam mit zeichnendem Finger Die festen Runden deiner Brüste nach. Ihr seid sehr heiß. Und schöne Raubtierflecken zieren eure Rücken.

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Illustration zu Und schöne Raubtierflecken...

Interpretation

Das Gedicht "Und schöne Raubtierflecken..." von Ernst Wilhelm Lotz thematisiert die Ambivalenz zwischen der Sehnsucht nach Nähe und der Angst vor Verletzlichkeit. Die Anrede "Bist du es denn?" deutet auf eine ungewisse Identität hin, die aus dem Weltraum, dem Spiegel der Nacht, zu dem lyrischen Ich spricht. Die Sterne, die "harfend" die Brust der angesprochenen Person durchziehen, verleihen der Szene eine traumhafte, fast surreale Qualität. Die zweite Strophe führt verschiedene Möglichkeiten ein, wie die angesprochene Person existieren könnte. Sie könnte "versehnt" im Bett glänzen, wobei der Traum ihr "hart im Schoß" liegt, was auf eine innere Zerrissenheit oder unerfüllte Sehnsucht hindeutet. Alternativ könnte ein junger Liebhaber mit zärtlichen Fingern die Rundungen ihrer Brüste nachzeichnen, was eine intime, sinnliche Szene evoziert. Die Betonung der Hitze ("Ihr seid sehr heiß") und der "schönen Raubtierflecken" auf den Rücken verleiht der Beschreibung eine wilde, animalische Anziehungskraft. Die Ambivalenz zwischen Zärtlichkeit und Wildheit, zwischen Traum und Realität, zwischen Sehnsucht und Angst vor Verletzlichkeit durchzieht das gesamte Gedicht. Die "schönen Raubtierflecken" auf den Rücken der angesprochenen Person symbolisieren möglicherweise die Gefahr, die in der Intimität liegt, die Anziehungskraft des Unbekannten und die Angst vor dem Verletztwerden. Das Gedicht vermittelt eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Komplexitäten menschlicher Beziehungen und der Sehnsucht nach Nähe in einer Welt, die sowohl Schönheit als auch Gefahr birgt.

Schlüsselwörter

groß weltraum nachts spiegel tönt zerwehtes bildnis seele

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Stilmittel

bildsprache
versehnt im weißen Federbett
hyperbel
Traum liegt dir hart im Schoß
metapher
Die Sterne durchziehen harfend deine Brust
personifikation
Groß aus dem Weltraum nachts, der Spiegel ist
vergleich
schöne Raubtierflecken zieren eure Rücken