Und die Hörner des Sommers verstummten

Georg Heym

1912

Und die Hörner des Sommers verstummten im Tode der Fluren, In das Dunkel flog Wolke auf Wolke dahin. Aber am Rande schrumpften die Wälder verloren, Wie Gefolge der Särge in Trauer vermummt.

Laut sang der Sturm im Schrecken der bleichenden Felder, Er fuhr in die Pappeln und bog einen weißen Turm. Und wie der Kehricht des Windes lag in der Leere Drunten ein Dorf, aus grauen Dächern gehäuft.

Aber hinaus bis unten am Grauen des Himmels Waren aus Korn des Herbstes Zelte gebaut, Unzählige Städte, doch leer und vergessen. Und niemand ging in den Gassen herum.

Und es sang der Schatten der Nacht. Nur die Raben noch irrten Unter den drückenden Wolken im Regen hin, Einsam im Wind, wie im Dunkel der Schläfen Schwarze Gedanken in trostloser Stunde fliehn.

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Illustration zu Und die Hörner des Sommers verstummten

Interpretation

Das Gedicht "Und die Hörner des Sommers verstummten" von Georg Heym beschreibt den Übergang vom Sommer zum Herbst und die damit einhergehende Verödung und Verlassenheit der Landschaft. Die Stimmung ist düster und melancholisch, geprägt von Verlust und Vergänglichkeit. Das erste Strophenpaar schildert den Tod des Sommers und den Einbruch des Herbstes. Die "Hörner des Sommers" verstummen, was das Ende der warmen, fruchtbaren Jahreszeit symbolisiert. Die Felder verdorren, die Wälder schrumpfen und verlieren ihre Blätter, als wären sie ein Trauerzug für den verstorbenen Sommer. Im zweiten Strophenpaar wird die Landschaft weiter entvölkert und verlassen dargestellt. Der Sturm fegt über die Felder und biegt Bäume, während ein Dorf in der Ferne wie ein Haufen grauer Dachziegel daliegt. Die herbstlichen Felder gleichen einer Stadt aus Zelten, die jedoch leer und vergessen ist, ohne menschliches Leben. Im letzten Strophenpaar zieht die Nacht herauf und nur noch Raben ziehen einsam durch den Regen. Sie werden mit "schwarzen Gedanken" verglichen, die in einer trostlosen Stunde fliehen. Das Gedicht endet in tiefer Einsamkeit und Verlassenheit, die den Übergang in die kalte, dunkle Jahreszeit begleitet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
Und es sang der Schatten der Nacht
Personifikation
Laut sang der Sturm im Schrecken der bleichenden Felder
Vergleich
Einsam im Wind, wie im Dunkel der Schläfen Schwarze Gedanken in trostloser Stunde fliehn