Und bist du erst mein ehlich Weib
Und bist du erst mein ehlich Weib,
Dann bist du zu beneiden,
Dann lebst du in lauter Zeitvertreib,
In lauter Pläsier und Freuden.
Und wenn du schiltst und wenn du tobst,
Ich werd es geduldig leiden;
Doch wenn du meine Verse nicht lobst,
Laß ich mich von dir scheiden.
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Und bist du erst mein ehlich Weib“ von Heinrich Heine ist eine humorvolle Satire auf das Ehegelübde und die Erwartungen an eine Ehefrau. Es entlarvt auf spielerische Weise die Selbstgefälligkeit und die egozentrischen Ansprüche des Ehemannes.
Der erste Teil des Gedichts stellt eine vermeintliche Idylle in Aussicht. Die Ehefrau wird als Objekt dargestellt, das „zu beneiden“ sei, da es ein Leben in „lauter Zeitvertreib, In lauter Pläsier und Freuden“ führen werde. Diese Beschreibungen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Sie sind nicht ehrlich gemeint, sondern dienen als Fassade, um die wahre Intention des Mannes zu verschleiern. Die scheinbar großzügige Verheißung ist ein Vorwand für die Forderungen, die im zweiten Teil erhoben werden.
Im zweiten Teil kippt die heitere Stimmung in eine Forderungshaltung. Der Mann erklärt, dass er die Schimpfereien und Wutanfälle der Frau „geduldig leiden“ wird, solange sie seine Verse lobt. Diese Bedingung zeigt die wahre Priorität des Mannes: seine eigene Eitelkeit und sein Wunsch nach Bestätigung. Die Drohung mit der Scheidung, falls die Verse nicht gelobt werden, unterstreicht die Absurdität der Situation. Der Mann stellt seine eigenen künstlerischen Ambitionen über die Bedürfnisse und das Wohlbefinden seiner Frau.
Die Stärke des Gedichts liegt in seinem Kontrast zwischen oberflächlicher Freundlichkeit und versteckter Egozentrik. Heine nutzt einfache, klare Sprache und einen eingängigen Rhythmus, um seine Botschaft zu vermitteln. Der Humor entsteht durch die Übertreibung und die unerwartete Pointe am Ende. Das Gedicht ist eine bissige Kritik an den Erwartungen, die an Frauen in der Ehe gestellt wurden, und an der egozentrischen Haltung einiger Männer. Es ist ein frühes Beispiel für Heines Fähigkeit, gesellschaftliche Konventionen mit Witz und Ironie zu entlarven.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.