Und auf einmal steht es neben dir

Joachim Ringelnatz

1933

Und auf einmal merkst du äußerlich: Wie viel Kummer zu dir kam, Wie viel Freundschaft leise von dir wich, Alles Lachen von dir nahm. Fragst verwundert in die Tage. Doch die Tage hallen leer. Dann verkümmert Deine Klage - Du fragst niemanden mehr. Lernst es endlich, dich zu fügen, Von den Sorgen gezähmt. Willst dich selber nicht belügen Und erstickst, was dich grämt. Sinnlos, arm erscheint das Leben dir, Längst zu lang ausgedehnt. — Und auf einmal –: Steht es neben dir, An dich angelehnt – Was? Das, was du so lang ersehnt.

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Interpretation

Das Gedicht "Und auf einmal steht es neben dir" von Joachim Ringelnatz beschreibt den Prozess des Erwachsenwerdens und der Reifung, bei dem man mit den Realitäten des Lebens konfrontiert wird. Es beginnt mit der Erkenntnis, dass Kummer und Verluste einen eingeholt haben, während Freundschaften und Lachen verblasst sind. Die Tage hallen leer, und die Klage verkümmert, da man aufhört, Fragen zu stellen und sich anpasst. Die Sorgen zähmen einen, und man lernt, sich selbst nicht zu belügen, sondern die schmerzhaften Gefühle zu unterdrücken. Das Leben erscheint sinnlos und arm, ausgedehnt und langweilig. Doch plötzlich steht etwas neben einem, an einen gelehnt - das, was man so lange ersehnt hat. Dies kann als Metapher für die Akzeptanz und das Annehmen des Lebens, wie es ist, interpretiert werden. Es ist die Erkenntnis, dass das, was man gesucht und erhofft hat, schon immer da war, aber man es nicht erkannt hat. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung, die den Prozess des Erwachsenwerdens und der Reifung begleitet. Es zeigt, wie man lernt, mit den Enttäuschungen und Verlusten des Lebens umzugehen, und wie man schließlich Frieden mit sich selbst und dem Leben schließt. Es ist eine Ode an die menschliche Fähigkeit, sich anzupassen und zu wachsen, auch wenn es schmerzhaft ist.

Schlüsselwörter

einmal viel fragst tage lang merkst äußerlich kummer

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Von den Sorgen gezähmt.
Anapher
Und auf einmal --: Steht es neben dir, An dich angelehnt --
Hyperbel
Längst zu lang ausgedehnt.
Metapher
Und erstickst, was dich grämt.
Personifikation
Dann verkümmert Deine Klage
Rhetorische Frage
Was?