Unbegreiflich
1876Sie rechnen viel und zählen, Und eins ist doch nur not. Sie sorgen stets und quälen Sich nur ums Erdenbrot.
Sie schaffen, tauschen, wählen, Und bald kommt doch der Tod, Der ihre Güter stehlen, Vernichten wird - o Not!
Drum laßt das Sorgen, Quälen Und denkt ans Himmelsbrot. Habt kurze Zeit zum Wählen: Heut rot und morgen tot.
So laßt das Rechnen, Zählen, Begreift: “Nur eins ist not”, Und denkt an eure Seelen Und denkt an Gott und Tod.
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Interpretation
Das Gedicht "Unbegreiflich" von Luise Hensel kritisiert die weltliche Beschäftigung der Menschen mit materiellen Gütern und dem täglichen Überlebenskampf. Es beschreibt, wie die Menschen viel rechnen und zählen, sich um das "Erdenbrot" sorgen und sich abmühen. Der Fokus liegt auf der Vergänglichkeit des Lebens und der Sinnlosigkeit des Strebens nach irdischem Besitz, da der Tod alles raubt und vernichtet. Hensel fordert die Menschen auf, ihre Sorgen und Qualen aufzugeben und stattdessen an das "Himmelsbrot" zu denken, das ewige, geistige Nahrung symbolisiert. Sie betont die Kürze des Lebens und die Dringlichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Seele und die Beziehung zu Gott. Das Gedicht schließt mit der Aufforderung, das Rechnen und Zählen aufzugeben und zu begreifen, dass nur eines wirklich notwendig ist - die geistige Vorbereitung auf den Tod und das ewige Leben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- kurze Zeit zum Wählen
- Anapher
- Sie rechnen viel und zählen, Und eins ist doch nur not. Sie sorgen stets und quälen Sich nur ums Erdenbrot.
- Kontrast
- Heut rot und morgen tot
- Metapher
- Erdenbrot
- Personifikation
- Der ihre Güter stehlen, Vernichten wird - o Not!