Umsonst gelebt
1865Das Zimmer hat nur spärliches Gerät. Im Herde glimmert ein verkohltes Scheit. Gleichgiltige Lippen murmeln ein Gebet. Es stirbt ein Mann. Vom Turme schlägt die Zeit.
Er hat nicht Weib, nicht Kind. Kein Schluchzen tönt. Er hat geschafft, gelitten und gestrebt. Für wen? Die Stunde löscht es aus. Er stöhnt. Ein Schatten weht. Umsonst, umsonst gelebt!
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Interpretation
Das Gedicht "Umsonst gelebt" von Hedwig Lachmann beschreibt den Tod eines einsamen Mannes in einem spärlich eingerichteten Zimmer. Die Atmosphäre ist kalt und trostlos, symbolisiert durch das verkohlte Holz im Herd und das murmelnde Gebet gleichgültiger Lippen. Die Zeit schlägt vom Turm, während der Mann stirbt, was die Endgültigkeit seines Lebens unterstreicht. Der Mann hinterlässt keine Familie, keine Kinder und kein Wehklagen wird laut. Er hat gearbeitet, gelitten und gestrebt, aber für wen? Die Stunde löscht alles aus, was er erreicht hat, und er stöhnt in seinen letzten Momenten. Ein Schatten weht, was die Vergänglichkeit und Leere seines Daseins symbolisiert. Das Gedicht endet mit der Wiederholung des Satzes "Umsonst, umsonst gelebt!", was die Tragik und Sinnlosigkeit des Lebens des Mannes betont. Es hinterlässt beim Leser ein Gefühl der Melancholie und des Nachdenkens über den Sinn des Lebens und die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Ein Schatten weht
- Wiederholung
- Umsonst, umsonst gelebt!