Umsonst

Felix Dörmann

1870

Im sausenden Wettersturm, Barhäuptig, Bin ich hinangeklettert An nebeltriefenden, Feuchten Felsen, Hinein in schauerliche Klüfte, In des Hochgebirges Grauenhafteste Einsamkeit Hab’ ich meiner Seele Schäumenden Zorn, Alle verbissenen, Langverheuchelten Qualen gerufen; Angeklammert an zackige Felsenbrüche, Überhängend halb Über den Abgrund, Hab’ ich todeslüstern Hinunter gestarrt - Und doch nicht Mut gefunden, Loszulassen. In starrendes Zwerggestrüpp Schlug ich die fiebernde Stirn Und vergrub meine Zähne In knorrigem Wurzelwerk. Aber weder der Schmerz, noch der Zorn, Weder die Scham, noch die Reue Tilgte meiner Gedanken Krankhaft verzerrte, Faulige Brut.

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Interpretation

Das Gedicht "Umsonst" von Felix Dörmann beschreibt einen inneren Kampf des lyrischen Ichs, das in einer stürmischen, einsamen Berglandschaft Zuflucht sucht, um seinen seelischen Qualen Ausdruck zu verleihen. Die wilde, ungestüme Natur spiegelt dabei die emotionale Verfassung des Sprechers wider, der seine aufgestauten Gefühle wie Zorn und Scham hinausschreien möchte. Doch trotz aller Anstrengung gelingt es ihm nicht, seine innere Zerrissenheit zu überwinden. Die Bildsprache ist geprägt von starken Kontrasten: die äußere Härte der Felsen und Abgründe steht im Gegensatz zur inneren Fragilität des Ichs, das sich krampfhaft festklammert, aber nicht den Mut findet, sich ganz fallen zu lassen. Die Selbstverletzung – das Schlagen der Stirn gegen Gestrüpp, das Verbissenheit in Wurzeln – symbolisiert einen verzweifelten Versuch, den Schmerz nach außen zu kehren. Doch all diese äußeren Handlungen bleiben wirkungslos. Im abschließenden Vers verdichtet sich die Aussage: weder Schmerz, Zorn, Scham noch Reue vermögen die "krankhaft verzerrte, faulige Brut" der Gedanken zu tilgen. Damit wird deutlich, dass das lyrische Ich in einem Teufelskreis gefangen ist, aus dem es keinen Ausweg findet. Der Titel "Umsonst" unterstreicht die Vergeblichkeit aller Bemühungen und lässt den Leser die tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit des Sprechers nachempfinden.

Schlüsselwörter

hab zorn weder sausenden wettersturm barhäuptig hinangeklettert nebeltriefenden

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Stilmittel

Bildsprache
Vergrub meine Zähne In knorrigem Wurzelwerk
Hyperbel
In des Hochgebirges Grauenhafteste Einsamkeit
Metapher
Krankhaft verzerrte, Faulige Brut
Personifikation
Im sausenden Wettersturm