Umschrift eines Sarges

Daniel Caspar von Lohenstein

1838

Irdisches und sterblich Volk, lebend-todte Erdengäste, Ihr Verwürflinge des Himmels, ihr Gespenster dieser Welt, Denen Nichts, als falsche Waare, Nichts, als Rauch und Wind gefällt, Thoren, klettert und besteigt die bequalmten Ehrenäste, Setzt euch Säulen von Porphyr, mauert euch aus Gold Paläste, Festigt Tempel euch aus Marmor, der der Zeit die Wage hält, Rafft zu euch mit gicht′gen Klauen er verdammten Klumpen Geld, Macht euch euer stolzes Lob durch gelehrte Schriften feste;

Aber wißt, wenn das Verhängniß euer Lebensgarn reißt ab, Schwindet Wissenschaft und Kunst, Schätze, Reichthum, Ehr′ und Titel, Und ihr nehmet Nichts mit euch, als den nackten Sterbekittel, Wo ihr auch noch aus dem allen noch erschwitzet Sarg und Grab! Tausend, Tausend sind gewest, die mich nicht erlangt noch haben, Die die Lüfte, die die Gluth, die der blaue Schaum begraben.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Umschrift eines Sarges

Interpretation

Das Gedicht "Umschrift eines Sarges" von Daniel Caspar von Lohenstein ist eine düstere Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Nutzlosigkeit irdischer Bestrebungen. Der Sprecher richtet sich an die "irdischen und sterblichen" Menschen, die er als "lebend-tote Erdengäste" bezeichnet. Er beschreibt sie als "Verwürflinge des Himmels" und "Gespenster dieser Welt", die von nichts anderem als "falscher Ware", "Rauch und Wind" angezogen werden. Der Sprecher verspottet ihre Bestrebungen nach Ehre, Reichtum und Wissen, indem er sie auffordert, "behäbig" die "bequalmten Ehrenäste" zu erklimmen, sich "Säulen von Porphyr" zu setzen, "aus Gold Paläste" zu mauern und "Tempel aus Marmor" zu errichten. Der Sprecher betont jedoch, dass all diese Bemühungen letztendlich vergeblich sind. Er warnt davor, dass "wenn das Verhängnis euer Lebensgarn reißt", all diese Errungenschaften verschwinden werden. Wissenschaft, Kunst, Reichtum, Ehre und Titel werden alle vergehen, und die Menschen werden nur noch "den nackten Sterbekittel" mitnehmen. Der Sprecher schließt mit der Feststellung, dass viele Menschen vor ihnen gekommen und gegangen sind, die "nicht erlangt noch haben", was sie suchten. Sie wurden von den Elementen verschluckt - von der Luft, der Glut und dem blauen Schaum. Das Gedicht ist eine eindringliche Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens und die Nutzlosigkeit irdischer Bestrebungen. Es fordert den Leser auf, über die wahren Werte des Lebens nachzudenken und sich nicht von der Anziehungskraft von Reichtum, Ehre und Wissen blenden zu lassen. Der Sprecher scheint eine Art moralische Lehre zu vermitteln, indem er die Leser auffordert, ihre Prioritäten zu überdenken und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Schlüsselwörter

tausend irdisches sterblich volk lebend todte erdengäste verwürflinge

Wortwolke

Wortwolke zu Umschrift eines Sarges

Stilmittel

Alliteration
klettert und besteigt die bequalmten Ehrenäste
Hyperbel
Tausend, Tausend sind gewest
Ironie
Thoren, klettert und besteigt die bequalmten Ehrenäste
Metapher
Ihr Verwürflinge des Himmels, ihr Gespenster dieser Welt
Personifikation
der der Zeit die Wage hält
Reimschema
AABB
Symbolik
Säulen von Porphyr, Gold Paläste, Marmor Tempel
Vergleich
Nichts, als falsche Waare, Nichts, als Rauch und Wind