Umkehr
1841Leben kann man nicht von Tönen, Poesie geht ohne Schuh, Und so wandt ich denn der Schönen Endlich auch den Rücken zu.
Lange durch die Welt getrieben Hat mich nun die irre Hast, Immer doch bin ich geblieben Nur ein ungeschickter Gast.
Überall zu spät zum Schmause Kam ich, wenn die andern voll, Trank die Neigen vor dem Hause, Wußt nicht, wem ichs trinken soll.
Mußt mich vor Fortuna bücken Ehrfurchtsvoll bis auf die Zehn, Vornehm wandt sie mir den Rücken, Ließ mich so gebogen stehn.
Und als ich mich aufgerichtet Wieder frisch und frei und stolz, Sah ich Berg′ und Tal gelichtet, Blühen jedes dürre Holz.
Welt hat eine plumpe Pfote, Wandern kann man ohne Schuh - Deck mit deinem Morgenrote Wieder nur den Wandrer zu!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Umkehr" von Joseph von Eichendorff beschreibt die Reise eines Wanderers durch das Leben, der sich schließlich von der Schönheit und den Tönen der Welt abwendet. Der Sprecher hat lange durch die Welt getrieben, sich jedoch immer als ungeschickter Gast gefühlt, der zu spät kommt und nicht weiß, wem er zu trinken soll. Er musste sich vor Fortuna bücken, doch als er sich wieder aufrichtete, sah er die Welt in einem neuen Licht, voller Leben und Schönheit. Die Umkehr, die der Titel des Gedichts ankündigt, bezieht sich auf die Entscheidung des Wanderers, sich von der äußeren Welt abzuwenden und sich stattdessen auf seine innere Reise zu konzentrieren. Die Welt wird als "plump" beschrieben, und der Wanderer zieht es vor, ohne Schuhe zu wandern, was auf eine Rückkehr zu einer einfacheren, natürlicheren Lebensweise hindeutet. Der letzte Vers bittet darum, dass die Welt den Wanderer mit ihrem Morgenrot wieder bedecken möge, was auf eine Versöhnung mit der Natur und eine neue Perspektive auf das Leben hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Selbstreflexion und der Suche nach innerem Frieden. Der Wanderer hat die äußere Welt durchquert und ist zu dem Schluss gekommen, dass wahre Schönheit und Erfüllung in der Natur und in der inneren Einkehr zu finden sind. Die Umkehr ist somit eine Rückkehr zu den Wurzeln und eine Annahme der Einfachheit und Reinheit des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Sah ich Berg′ und Tal gelichtet, Blühen jedes dürre Holz
- Hyperbel
- Ehrfurchtsvoll bis auf die Zehn
- Ironie
- Mußt mich vor Fortuna bücken
- Kontrast
- Leben kann man nicht von Tönen, Poesie geht ohne Schuh
- Metapher
- Welt hat eine plumpe Pfote
- Personifikation
- Deck mit deinem Morgenrote Wieder nur den Wandrer zu
- Symbolik
- Morgenrote
- Wiederholung
- Wandert kann man ohne Schuh