Um Mitternacht

Johann Wolfgang von Goethe

1818

Um Mitternacht ging ich, nicht eben gerne, Klein, kleiner Knabe, jenen Kirchhof hin Zu Vaters Haus, des Pfarrers, Stern am Sterne, Sie leuchteten doch alle gar zu schön; Um Mitternacht.

Wenn ich dann ferner in des Lebens Weite Zur Liebsten mußte, mußte, weil sie zog, Gestirn und Nordschein über mir im Streite, Ich gehend, kommend Seligkeiten sog; Um Mitternacht.

Bis dann zuletzt des vollen Mondes Helle So klar und deutlich mir ins Finstere drang, Auch der Gedanke willig, sinnig, schnelle Sich ums Vergangne wie ums Künftige schlang; Um Mitternacht.

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Interpretation

Das Gedicht "Um Mitternacht" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt drei verschiedene Lebensphasen des lyrischen Ichs, die jeweils um Mitternacht stattfinden. Es beginnt mit der Kindheit, in der der kleine Knabe widerwillig den Kirchhof entlanggeht, um zum Vaterhaus zu gelangen. Die Sterne leuchten dabei besonders schön und schaffen eine geheimnisvolle Atmosphäre. In der zweiten Phase, der Jugend, muss das Ich zu seiner Liebsten gehen, die es zieht. Auch hier ist es Mitternacht, und die Sterne und Nordlichter streiten sich am Himmel. Das Ich geht und kommt, während es die "Seligkeiten" des Lebens aufsaugt. Es ist eine Zeit der Sehnsucht und des Wachstums. Die dritte Phase ist die Reife, in der das volle Mondlicht so klar und deutlich ins Finstere dringt. Das Ich denkt willig, sinnig und schnell über Vergangenes und Zukünftiges nach. Es ist eine Zeit der Reflexion und des Verstehens, in der das Ich die Zusammenhänge des Lebens erkennt und akzeptiert.

Schlüsselwörter

mitternacht mußte ums ging eben gerne klein kleiner

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Stilmittel

Alliteration
Stern am Sterne
Anapher
Um Mitternacht
Kontrast
des vollen Mondes Helle / So klar und deutlich mir ins Finstere drang
Metapher
Stern am Sterne
Personifikation
Gestirn und Nordschein über mir im Streite