Um Mitternacht

Robert Eduard Prutz

1872

Um Mitternacht in ernster Stunde, Tönt oft ein wundersamer Klang: ‘S ist wie aus liebem Muttermunde Ein freundlich tröstender Gesang.

In süßen, unbelauschten Thränen Löst er des Herzens bange Pein, Und alles unmuthvolle Sehnen Und allen Kummer wiegt er ein.

Als käm’ der Mai des Lebens wieder, Regt sich’s im Herzen wunderbar: Da quillen Töne, keimen Lieder, Da wird die Seele jung und klar.

So tönt das stille Läuten, Doch ich versteh’ die Weise nie, Und nur mitunter möcht’ ich’s deuten Als wär’s der Kindheit Melodie.

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Interpretation

Das Gedicht "Um Mitternacht" von Robert Eduard Prutz beschreibt eine nächtliche Erfahrung, bei der der Sprecher um Mitternacht einen wundersamen Klang hört, der an die tröstenden Worte einer Mutter erinnert. Dieser Klang löst süße, unbelauschte Tränen aus und lindert die bange Pein des Herzens sowie unmutvolles Sehnen und Kummer. Der Sprecher fühlt sich, als käme der Mai des Lebens zurück, und in seinem Herzen regt sich etwas Wunderbares. Töne quellen hervor, Lieder keimen, und die Seele wird jung und klar. Das stille Läuten ertönt, doch der Sprecher versteht die Weise nie. Nur manchmal möchte er es als Melodie der Kindheit deuten.

Schlüsselwörter

tönt mitternacht ernster stunde oft wundersamer klang liebem

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Wiederholung des 'm' Lautes in 'muthemvolle Sehnen' und 'Kummer wiegt er ein'.
Bildsprache
Die 'stille Läuten' erzeugt ein akustisches Bild, das den Leser anspricht.
Metapher
Die Weise des Klangs wird mit einer Melodie der Kindheit verglichen, was Nostalgie und Unschuld suggeriert.
Personifikation
Die Töne und Lieder werden als keimend und wachsend beschrieben, als könnten sie sich wie Pflanzen entwickeln.
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