Über seine Träume

David Schirmer

1623

Sind Träume lauter nichts / wie daß sie mich bewegen? sind sie denn Freud und Lust / wie daß ich traurig bin? sind sie voll Lieblichkeiten / wie daß mein toder Sinn sich / O Marnie / zu deinen Füßen legen. Ich sahe heint zur Nacht dich deiner Liebe pflegen. Du warst es ja gewiß / O schöne Halb-Göttin. Ein nacket Nymphen-Bild lief zu den Schwanen hin / zu Schwanen / die im Thal stets ihre Lieder heben / Und küßet eines Mund. Ich fühlte Süßigkeit. Die Liebe stieß alsbald nach meinem krancken Hertzen. Drauf ließ ich meinen Schlaff. Nichts blieb als tausend Schmertzen die ich noch klagen muß bey später Abends-Zeit. Sie sind nun was sie sind / so gläub in voller Sorgen / im Traume-Nebel liegt die Wahrheit doch verborgen.

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Illustration zu Über seine Träume

Interpretation

Das Gedicht "Über seine Träume" von David Schirmer handelt von der intensiven und zwiespältigen Natur von Träumen. Der Sprecher fragt sich, ob Träume wirklich so bedeutungslos sind, wie sie ihn bewegen, oder ob sie Freud und Lust bringen, obwohl er traurig ist. Die Träume sind voller Lieblichkeiten, die seinen toten Sinn dazu bringen, sich zu den Füßen seiner Geliebten Marnie niederzulegen. In der zweiten Strophe beschreibt der Sprecher einen Traum, in dem er seine Geliebte Marnie dabei beobachtet, wie sie ihre Liebe pflegt. Er ist sich sicher, dass es sie war, eine schöne Halb-Göttin. Ein nacktes Nymphen-Bild rennt zu den Schwänen hin, die im Tal ihre Lieder erheben, und küsst einen von ihnen. Der Sprecher fühlt eine süße Empfindung, als die Liebe auf sein krankes Herz drängt. Doch als er aufwacht, bleiben nur tausend Schmerzen zurück, die er noch bei späterer Abendzeit beklagen muss. Das Gedicht verdeutlicht die Ambivalenz von Träumen, die sowohl Freude als auch Schmerz bringen können. Der Sprecher ist sich bewusst, dass die Träume voller Lügen und Täuschungen sind, aber dennoch in voller Sorge an sie glaubt. Die Wahrheit liegt im Nebel der Träume verborgen, was die rätselhafte und faszinierende Natur der Träume unterstreicht.

Schlüsselwörter

liebe schwanen träume lauter bewegen freud lust traurig

Wortwolke

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Stilmittel

Apostrophe
O Marnie
Bildlichkeit
Ein nacket Nymphen-Bild lief zu den Schwanen hin
Gegensatz
sind sie denn Freud und Lust / wie daß ich traurig bin?
Hyperbel
Nichts blieb als tausend Schmertzen
Metapher
im Traume-Nebel liegt die Wahrheit doch verborgen
Personifikation
Die Liebe stieß alsbald nach meinem krancken Hertzen
Rhetorische Frage
Sind Träume lauter nichts / wie daß sie mich bewegen?