Über die Nachtigal

Catharina Regina von Greiffenberg

1633

Hört der holden Nachtigall süssen Schall durch den Busch erschallen: sie will / durch ein Kling-Gedicht ihre Pflicht ihrem Schöpffer zahlen.

In dem weiß-geschmälzten Zelt aller Welt seinen Ruhm sie singet: dahin zielt ihr Müh’ und Fleiß daß sein Preiß hell von ihr erklinget.

Dir / dir / dir / O höchster Hort ohne Wort pfleg’ ich Dank zu geben: ohne End ist mein Begehr deine Ehr' äusserst zu erheben.

Jede Feder fordert Lob ist ein Prob deiner milden Güte. Gib / so offt ich sie aufschwing daß erkling Dank aus dem Gemüte.

Jedes Würmlein / das ich iss ist gewiß deiner Schickung Gabe. Nimm / Erhalter / vor die Speiß diesen Preiß und mich ferner labe!

Dir sey Lob vor diesen Ast wo ich rast: doch nit / dich zu loben. Nein! dein Ruhm wird für und für dort und hier hoch von mir erhoben.

Du hast / schöne Singerin meinen Sinn auch in was ermundert. Nur von Gottes Gnad sing ich weil ich mich ganz in sie verwundert.

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Illustration zu Über die Nachtigal

Interpretation

Das Gedicht "Über die Nachtigal" von Catharina Regina von Greiffenberg thematisiert die Dankbarkeit und Lobpreisung Gottes durch die metaphorische Darstellung einer Nachtigall. Die Nachtigall wird als Symbol für die Dichterin selbst verwendet, die durch ihre Dichtkunst ihre Pflicht gegenüber ihrem Schöpfer erfüllt. Sie singt von Gottes Ruhm und Größe, um ihre Dankbarkeit auszudrücken und ihn zu ehren. Die Dichterin betont, dass jedes Element ihres Lebens, sei es ihre Stimme, ihre Nahrung oder der Ort, an dem sie rast, eine Gabe Gottes ist und daher Lob und Dank verdient. In den einzelnen Strophen des Gedichts wird die tiefe Verbundenheit der Dichterin mit Gott und ihre unendliche Dankbarkeit deutlich. Sie preist Gott für seine Güte, die sich in jedem Aspekt ihres Lebens zeigt, und bittet darum, dass ihr Dank und ihre Lobpreisung immer aus tiefstem Herzen kommen mögen. Die Dichterin vergleicht sich mit der Nachtigall, die mit ihrer Stimme Gottes Ehre verkündet, und betont, dass auch sie nur von Gottes Gnade singen kann, da sie sich selbst in Staunen und Verwunderung über seine Größe versetzt fühlt. Das Gedicht ist eine poetische Manifestation der tiefen Frömmigkeit und des unerschütterlichen Glaubens der Dichterin an Gott.

Schlüsselwörter

ruhm preiß dank lob diesen hört holden nachtigall

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Stilmittel

Anapher
Dir sey Lob vor diesen Ast / wo ich rast
Apostrophe
Dir / dir / dir / O höchster Hort
Hyperbel
ohne End ist mein Begehr / deine Ehr' / äusserst zu erheben
Metapher
Du hast / schöne Singerin / meinen Sinn / auch in was ermundert
Personifikation
Jede Feder fordert Lob