Über das Gebet
1633Ach wie pfleg’ ich mich zu freuen über GOttes Wort! herrlich pflegt mir zu verneuen seine Treu mein Hort. wann ich in der Schrifft will lesen pflegt mein Hoffnung zu genesen meint / sie sey im Port.
Das Gebet / des Himmels Leiter ist der Hoffnung Grund; GOttes Geist / ist des Bereiter; JEsus / dessen Mund. wann die Seuffzer aufwerts steigen Trost und Hülff’ herab sich neigen: ach daß ichs empfund!
JEsus Namen / ist die Schalen: GOttes Geist / die Glut derer Feurig’ Andacht Strahlen hitzen unfern Muht machen uns von GOtt entfangen alles / was wir nur verlangen auch das höchste Gut.
Moses hatte lang gekrieget nicht durch kühne Werk; Josua hat auch gesieget nicht durch seine Stärk’: durchs Gebet / ists ihm gelungen daß viel König’ er bezwungen. Dieses Bey spiel merk!
Hat Hiskias nicht erbetten die Gesundheits-Gab als er schier hätt sollen tretten aus dem Bett’ ins Grab? ach ich wüst’ ihr viel zu schreiben: doch muß es anitzt verbleiben weil nicht Zeit ich hab?
Ich will nur von neuem sagen was ich selbst gesehn meines Vettern Krankheits Plagen musten stracks vergehn als wir zu dem HErrn lieffen um Gesundheit ihn anrieffen ist es gleich geschehn.
Beten / ist mein Wehr und Waffen drauff ich mich verlaß. Alles kan ich mit verschaffen wann ichs nur recht fass' alles Unglück überwinden Wunder-Trost in Trübsal finden: was ist über das?
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Interpretation
Das Gedicht "Über das Gebet" von Catharina Regina von Greiffenberg handelt von der Kraft und dem Trost, den das Gebet spenden kann. Die Autorin beschreibt ihre Freude über Gottes Wort und wie ihre Hoffnung durch das Lesen der Schrift erneuert wird. Das Gebet wird als Leiter zum Himmel und als Grundlage der Hoffnung dargestellt, wobei der Heilige Geist und Jesus als Bereiter und Mund des Gebets fungieren. Die Autorin betont die transformative Kraft des Gebets, das Wunder und Trost in der Not bringen kann. In den folgenden Strophen führt die Autorin Beispiele aus der Bibel an, wie Mose und Josua durch Gebet und nicht durch eigene Stärke Siege errungen haben. Sie erinnert auch an das Beispiel Hiskias, der durch Gebet Gesundheit erlangte. Die Autorin betont, dass sie selbst die heilende Kraft des Gebets erlebt hat, als sie für die Krankheit ihres Vetters betete und dieser sofort gesund wurde. Im letzten Teil des Gedichts erklärt die Autorin, dass das Gebet ihre Waffe und ihr Schild ist, auf den sie sich verlassen kann. Sie glaubt, dass sie durch das Gebet alles erreichen und alle Unglücke überwinden kann. Das Gebet ist für sie eine Quelle des Trostes in der Not und eine Möglichkeit, das höchste Gut zu erlangen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- über GOttes Wort
- Anapher
- JEsus Namen / ist die Schalen: GOttes Geist / die Glut
- Beispiel
- Durchs Gebet / ist es ihm gelungen / daß viel König' er bezwungen
- Beschleunigung
- weil nicht Zeit ich hab
- Bildsprache
- GOttes Geist / ist die Glut
- Hyperbel
- auch das höchste Gut
- Metapher
- Beten / ist mein Wehr und Waffen
- Parallelismus
- Moses hatte lang gekrieget / nicht durch kühne Werk; Josua hat auch gesieget / nicht durch seine Stärk'
- Personifikation
- Trost und Hülff' herab sich neigen
- Persönliche Erfahrung
- Ich will nur von neuem sagen / was ich selbst gesehn