Üb' immer Treu und Redlichkeit

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

1776

Üb’ immer Treu und Redlichkeit Bis an dein kühles Grab, Und weiche keinen Finger breit Von Gottes Wegen ab.

Dann wirst du wie auf grünen Au’n, Durch’s Pilgerleben geh’n Dann kannst du sonder Furcht und Grau’n Dem Tod ins Antlitz seh’n.

Dann wird die Sichel und der Pflug In deiner Hand so leicht, Dann singest du beim Wasserkrug, Als wär’ dir Wein gereicht.

Dem Bösewicht wird alles schwer, Er tue was er tu, Ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr, Die Nacht ihm keine Ruh.

Der schöne Frühling lacht ihm nicht, Ihm lacht kein Ährenfeld, Er ist auf Lug und Trug erpicht, Und wünscht sich nichts als Geld.

Der Wind im Hain, das Laub im Baum Saust ihm Entsetzen zu, Er findet, nach des Lebens Raum Im Grabe keine Ruh.

Drum übe Treu und Redlichkeit Bis an dein kühles Grab, Und weiche keinen Finger breit Von Gottes Wegen ab!

Dann suchen Enkel deine Gruft Und weinen Tränen drauf, Und Sonnenblumen, voll von Duft, Blüh’n aus den Tränen auf.

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Illustration zu Üb' immer Treu und Redlichkeit

Interpretation

Das Gedicht "Üb' immer Treu und Redlichkeit" von Ludwig Christoph Heinrich Hölty vermittelt eine moralische Botschaft, die den Leser dazu aufruft, ein Leben in Ehrlichkeit und Treue zu führen. Der Autor betont die Wichtigkeit, Gottes Wegen treu zu bleiben und betont, dass ein solches Leben zu einem friedlichen und erfüllten Dasein führt. Die Bildsprache von grünen Auen und einem sorglosen Pilgerleben symbolisiert die innere Ruhe und Zufriedenheit, die durch ein tugendhaftes Leben erlangt werden können. Im Gegensatz dazu wird das Schicksal des Bösewichts dargestellt, der ein Leben voller Schwierigkeiten und Unzufriedenheit führt. Der Autor beschreibt, wie der Bösewicht keine Freude am Tag und keine Ruhe in der Nacht findet, was auf ein von Gewissensbissen und Sorgen geplagtes Leben hindeutet. Die Natur, die normalerweise als Quelle der Freude und des Friedens dient, wird für den Bösewicht zu einem Ort des Schreckens und der Unruhe. Diese Gegenüberstellung unterstreicht die Konsequenzen eines Lebens, das von Täuschung und Gier geprägt ist. Das Gedicht schließt mit einer Wiederholung der anfänglichen Aufforderung, Treu und Redlichkeit zu üben, und fügt eine Vision des Trostes und der Ehre hinzu, die einem tugendhaften Leben folgen. Der Autor imaginiert, dass Enkel den Grabstein des Gerechten besuchen und Tränen der Trauer und des Respekts vergießen, aus denen Sonnenblumen wachsen. Diese Bildsprache symbolisiert die ewige Erinnerung und die Schönheit, die aus einem Leben der Integrität erwachsen, und verleiht der moralischen Lektion des Gedichts eine tiefere, emotionale Dimension.

Schlüsselwörter

treu redlichkeit kühles grab weiche keinen finger breit

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Stilmittel

Alliteration
Üb' immer Treu und Redlichkeit
Anapher
Dann wirst du wie auf grünen Au'n / Dann kannst du sonder Furcht und Grau'n
Bildsprache
Dem Bösewicht wird alles schwer
Enjambement
Und weiche keinen Finger breit / Von Gottes Wegen ab
Hyperbel
Blüh'n aus den Tränen auf
Kontrast
Der Bösewicht wird alles schwer / Er tue was er tu
Metapher
Dann wirst du wie auf grünen Au'n, / Durch's Pilgerleben geh'n
Parallelismus
Üb' immer Treu und Redlichkeit / Bis an dein kühles Grab
Personifikation
Der schöne Frühling lacht ihm nicht
Reimschema
AABB
Symbolik
Sichel und der Pflug