Uber die gestalt der Sylvia

Benjamin Neukirch

1718

Ich finde zwar sehr viel/ die schön und artig seyn; Dann eine rühret uns durch ihrer augen schein/ Die andre lacht und prangt mit lippen von corallen/ An vielen pflegen uns die haare zu gefallen/ Die hat ein kleines kinn/ und eine steiffe brust/ Die macht durch ihren gang uns zu der liebe lust/ Die führt/ ich weiß nicht was für anmuth in den lenden/ Und andre fesseln uns mit ihren marmel-händen; Du aber/ Sylvia/ hast alles diß allein: Dann iedes glied an dir kan eine kette seyn. Wie soll mich ärmsten dann nicht deine pracht entzünden/ Die/ wann man sie zertheilt/ kan ihrer sieben binden?

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Illustration zu Uber die gestalt der Sylvia

Interpretation

Das Gedicht "Über die Gestalt der Sylvia" von Benjamin Neukirch preist die Schönheit der Sylvia, indem es sie mit anderen Frauen vergleicht. Der Sprecher beschreibt verschiedene körperliche Attribute, die andere Frauen attraktiv machen: Augen, Lippen, Haare, Kinn, Busen, Gang, Hüften und Hände. Doch Sylvia besitzt alle diese Eigenschaften in sich vereint, was sie zu einer außergewöhnlichen Schönheit macht. Der Sprecher betont, dass jedes Körperteil Sylvias als eine Art "Kette" wirkt, die den Betrachter fesselt und in ihren Bann zieht. Die Metapher der Kette suggeriert eine unwiderstehliche Anziehungskraft und eine Art Gefangenschaft in der Liebe. Die Pracht Sylvias ist so überwältigend, dass der Sprecher sich selbst als den "ärmsten" bezeichnet, was seine eigene Unbedeutendheit im Vergleich zu ihrer Schönheit unterstreicht. Im letzten Vers spielt der Sprecher auf das Märchen von den sieben Zwergen an, die durch ihre Kleinheit und Zahl beeindrucken. Er suggeriert, dass selbst wenn man die Schönheit Sylvias in sieben Teile zerlegen würde, jeder einzelne Teil immer noch faszinierend genug wäre, um zu verzaubern. Dies unterstreicht die Vollkommenheit und Einzigartigkeit ihrer Schönheit, die selbst in Fragmenten noch beeindruckend wäre.

Schlüsselwörter

seyn andre kan finde zwar viel schön artig

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Stilmittel

Hyperbel
Du aber/ Sylvia/ hast alles diß allein: Denn iedes glied an dir kan eine kette seyn.
Metapher
Die andre lacht und prangt mit lippen von corallen
Personifikation
Die führt/ ich weiß nicht was für anmuth in den lenden
Rhetorische Frage
Wie soll mich ärmsten dann nicht deine pracht entzünden/ Die/ wann man sie zertheilt/ kan ihrer sieben binden?
Vergleich
Die hat ein kleines kinn/ und eine steiffe brust