Uber des Sommers Abend-Zeit an Sie

David Schirmer

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Liebste / laß uns nun besehen / Wie dir göldne Sonn entsinckt. Wie sie wil zu Rüste gehen / Wie sie aus dem Meere trinckt. Denn der Abend kömpt mit Prangen Vor der braunen Nacht gegangen.

Laß uns voller Lust anschauen / Wie der Tag den Abschied hält. Wie die grünen Wälder blauen / Wie der reine Nebel fällt. Wie die Dünste von der Erden Bey den Wolcken himlisch werden.

Zephyr bläst mit stillem Sause Floren Silber in den Schoß. Nisa trägt das Graß zu Hause. Phyllis hat die Armen bloß. Corydon schleicht mit Myrtillen Nach der braunen Amaryllen.

Die geschwemten Schafe schellen. Schöfer Mopsus leitet sie. Es geht nach den warmen Ställen Alles groß und kleine Vieh. Und Hippander kömpt bey Zeiten Jn dem kühlen außzureiten.

Die verlauffnen Endten sacken / Weil die Heerde Gänse kömt. Laub- und andre Frösche quacken. Alles hat mit eingestirnt Die verwerlte Werle werlet / Weil die Wiese sich beperlet.

Alles steht in vollem Schalle / Pusch und Wald / und Laub und Graß. Die verliebte Nachtigalle Singt und klingt ohn unterlaß / Daß der Zierrath aller Erden Darob muß erfreuet werden.

Sie schlürft jhre reine Stimme Durch die dunckel-blaue Luft / Daß in jenes Thales Krümme Jhr das Echo wiederruft. Sie schreyt / umb die grünen Hecken Jhren Morgen aufzuwecken.

Die verliebte Wachtel schläget / Und läuft jhrem Buhlen nach Wo sie jhre Brunst hinträget. Und das Rebhun girt gemach / Daß jhm in den grünen Saaten Seine Jungen wolgerathen.

Auch das kluge Volck der Eulen Eilt erfreuet durch die Luft / Wenn sie nach den Schlangen heulen. Die Rohrdommel pompt und ruft. Der Nachtrabe hält sein Meckern / Auf den dickbeseeten Aeckern.

Hirsch und Hinde läst sich sehen. Sie verlassen Holtz und Wald. Und die wilden Schweine gehen Auf des Bauers Aufenthalt. Hier und dort da gehen Hasen Jn die jungen Saaten grasen.

Der schwartzbraune Felder-Hüter Bläset in sein Ziegen-Horn / Umb der Erden reiche Güter / Umb das halbgeschoste Korn. Seine wachen Hunde wachen / Das Getreydicht frey zu machen.

Cynthia die Jägerinne / Stellt sich an das blaue Tach / Und jagt an der gäldnen Zinne Jhren bleichen Sternen nach / Die / die Nächte zu bedienen / Jhr in was zu finster schienen.

Alle Blumen werden dunckel / Nicht von der verbuhlten Nacht. Liebste / deines Lichts Carfunckel Hat sie bleich und kranck gemacht. Deine Lippen / deine Wangen / Nehmen jhren Glantz gefangen.

Laß uns heut zusammen setzen Jn das feuchte Meyen-Feld / Daß wir unsre Jugend letzen / Morgen wird es eingestellt. Denn der Menschen Lust und Freuen

Jst doch nur ein kurtzer Meyen.

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Illustration zu Uber des Sommers Abend-Zeit an Sie

Interpretation

Das Gedicht "Über des Sommers Abend-Zeit an Sie" von David Schirmer ist eine sinnliche und romantische Beschreibung eines Sommerabends. Es lädt die Geliebte ein, die Schönheit des untergehenden Sonnenlichts und der erwachenden Natur zu betrachten. Der Dichter beschreibt die Farben des Himmels, das Grün der Wälder und das Fallen des Nebels. Er erwähnt auch verschiedene Tiere wie Schafe, Gänse, Frösche und Vögel, die ihre Abendaktivitäten ausführen. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Ruhe und des Genusses der Natur. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Nacht als eine Zeit der Liebe und des Gesangs dargestellt. Die Nachtigall wird als Symbol der Liebe und der Sehnsucht beschrieben, die ihre Stimme durch die Luft schickt und vom Echo beantwortet wird. Der Dichter erwähnt auch andere Tiere wie Wachteln, Rebhühner, Eulen und Nachtraben, die ihre Balzrufe oder Jagdrufe ausstoßen. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Leidenschaft und der Intimität. Im dritten Teil des Gedichts wird die Nacht als eine Zeit der Gefahr und des Schutzes dargestellt. Der Dichter beschreibt einen Hirten, der sein Horn bläst, um sein Vieh vor wilden Tieren zu warnen. Er erwähnt auch eine Jägerin namens Cynthia, die nach den Sternen jagt. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Wachsamkeit und der Verteidigung. Im letzten Teil des Gedichts wird die Nacht als eine Zeit der Verführung und der Enttäuschung dargestellt. Der Dichter vergleicht die Geliebte mit der untergehenden Sonne, die ihre Schönheit an die Blumen weitergibt. Er bittet sie, sich mit ihm auf eine feuchte Wiese zu setzen, um ihre Jugend zu genießen, bevor sie vergeht. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Sehnsucht und der Vergänglichkeit.

Schlüsselwörter

laß gehen grünen erden umb jhren liebste kömpt

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Stilmittel

Alliteration
Die verliebte Nachtigalle
Bildsprache
Wie die grünen Wälder blauen / Wie der reine Nebel fällt.
Hyperbel
Daß der Zierrath aller Erden / Darob muß erfreuet werden.
Kontrast
Cynthia die Jägerinne / Stellt sich an das blaue Tach / Und jagt an der gäldnen Zinne / Jhren bleichen Sternen nach
Metapher
Deine Lippen / deine Wangen / Nehmen jhren Glantz gefangen.
Personifikation
Wie sie wil zu Rüste gehen / Wie sie aus dem Meere trinckt.
Symbolik
Cynthia die Jägerinne / Stellt sich an das blaue Tach / Und jagt an der gäldnen Zinne / Jhren bleichen Sternen nach