Turmchoral
unknownDie Stadt liegt noch im Werktagsrauche Und spiegelt trüb im Fluß sich ab, Da tönt uralt mit sanftem Hauche Der Sonntagsgruß vom Thurm herab.
Des Erzes weitgetrag′ne Stimmen Erschallen in den reinen Höh′n, Die Sterne fangen an zu glimmen Und fromm verstummet das Getön.
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Interpretation
Das Gedicht Turmchoral von Martin Greif beschreibt den Übergang vom Alltag zum Sonntag in einer Stadt. Die Stadt liegt noch im "Werktagsrauche" und spiegelt sich trüb im Fluss wider, was auf eine eher düstere und arbeitsreiche Atmosphäre hindeutet. Doch dann ertönt von einem Turm herunter ein uralter, sanfter Sonntaggruß, der einen Kontrast zum trüben Alltag bildet. Die weithin getragene Stimme des Erzes erklingt in den reinen Höhen und verbreitet eine Art religiöser Andacht. Die Sterne beginnen zu glimmen, was auf den Abend und die fortschreitende Dämmerung hindeutet. Das "fromm verstummete Getön" am Ende des Gedichts lässt vermuten, dass die Geräusche des Alltags angesichts des feierlichen Glockengeläuts verstummen und einer andächtigen Stille weichen. Insgesamt vermittelt das Gedicht einen Eindruck von der Kraft religiöser Traditionen und Rituale, die den Alltag unterbrechen und einen Moment der Besinnung und Ruhe ermöglichen. Die Glockenklänge scheinen eine Art spirituelle Erhebung zu bewirken und die Menschen in einen Zustand der Andacht zu versetzen. Das Gedicht zeichnet ein idyllisches Bild von der Kraft des Glaubens und der Fähigkeit religiöser Riten, den Lauf der Zeit und die Stimmung einer Gemeinschaft zu prägen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Des Erzes weitgetrag′ne Stimmen
- Bildsprache
- Und fromm verstummet das Getön
- Kontrast
- Die Stadt liegt noch im Werktagsrauche / Da tönt uralt mit sanftem Hauche
- Metapher
- Die Stadt liegt noch im Werktagsrauche
- Personifikation
- Die Sterne fangen an zu glimmen