Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
, ,

Tugend des Weibes

Von

Tugenden braucht der Mann, er stürzt sich wagend ins Leben,
Tritt mit dem stärkeren Glück in den bedenklichen Kampf.
Eine Tugend genüget dem Weib: Sie ist da, sie erscheinet
Lieblich dem Herzen, dem Aug′ lieblich erscheine sie stets!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Tugend des Weibes von Friedrich Schiller

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Tugend des Weibes“ von Friedrich Schiller behandelt auf subtile Weise die gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenverteilung von Männern und Frauen in der damaligen Zeit. Der Autor umreißt in wenigen Versen eine klare Dichotomie: Während der Mann als aktiv handelndes Wesen in die Welt hinauszieht und sich in einem „bedenklichen Kampf“ bewähren muss, wird von der Frau eine einzige, aber alles umfassende Tugend erwartet: ihre natürliche Anmut und liebreizende Erscheinung.

Die im Gedicht beschriebene „Tugend“ der Frau ist eng mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und ihrer Fähigkeit, Freude zu bereiten, verbunden. Schiller betont die Notwendigkeit, „lieblich“ zu sein, sowohl für das Herz als auch für das Auge. Diese Betonung der Äußerlichkeiten, insbesondere im Vergleich zur „stärkeren“ Tugend des Mannes, deutet auf eine gesellschaftliche Unterordnung der Frau hin, deren Wert vor allem in ihrer Attraktivität und ihrem Wohlgefallen für den Mann gesehen wird. Die Frau wird hier also auf ihre Rolle als Objekt der Begierde und Quelle der Freude reduziert.

Die Wahl der Worte „Tritt mit dem stärkeren Glück in den bedenklichen Kampf“ deutet auf eine gewisse Romantisierung der männlichen Rolle hin, die mit Mut und Risikobereitschaft verbunden ist. Die Frau hingegen verbleibt im passiven Zustand der Anmut, sie „ist da“ und „erscheinet“. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die unterschiedlichen Lebenswege, die Männern und Frauen in Schillers Zeit offenstanden, und spiegelt die damaligen gesellschaftlichen Strukturen wider, die Frauen aus dem aktiven gesellschaftlichen Leben ausschlossen.

Das Gedicht kann somit als Spiegelbild der Geschlechterrollen in der Epoche der Klassik interpretiert werden. Es zeigt die gesellschaftliche Konvention, dass Frauen in erster Linie durch ihre Schönheit und Liebenswürdigkeit definiert wurden, während Männer durch ihren Mut und ihre Fähigkeiten in der Welt anerkannt wurden. Schiller präsentiert diese Rollenverteilung, ohne sie explizit zu kritisieren, was eine kritische Auseinandersetzung mit den damaligen Normen ermöglicht.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.