Tugend des Weibes

Friedrich von Schiller

1759

Tugenden braucht der Mann, er stürzt sich wagend ins Leben, Tritt mit dem stärkeren Glück in den bedenklichen Kampf. Eine Tugend genüget dem Weib: Sie ist da, sie erscheinet Lieblich dem Herzen, dem Aug′ lieblich erscheine sie stets!

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Interpretation

Das Gedicht "Tugend des Weibes" von Friedrich von Schiller beschreibt die unterschiedlichen Tugendanforderungen an Männer und Frauen. Männer werden als mutige und aktive Wesen dargestellt, die sich mutig ins Leben stürzen und in einen gefährlichen Kampf mit dem Schicksal treten. Sie benötigen verschiedene Tugenden, um in dieser anspruchsvollen Rolle erfolgreich zu sein. Im Gegensatz dazu wird den Frauen nur eine einzige Tugend zugeschrieben, die darin besteht, anmutig und lieblich zu erscheinen. Diese Tugend soll ihr Herz und ihr Äußeres stets erfreulich gestalten. Die Frauenrolle wird als passiv und auf Äußerlichkeiten ausgerichtet beschrieben, ohne die Notwendigkeit, sich aktiv in die Welt einzubringen oder Herausforderungen zu meistern. Das Gedicht reflektiert die traditionellen Geschlechterrollen und Tugendvorstellungen des 18. Jahrhunderts. Es zeigt die damalige gesellschaftliche Erwartungshaltung, dass Männer aktiv und vielseitig begabt sein sollten, während Frauen sich auf ein liebliches Äußeres und eine sanfte Art beschränken sollten. Diese strikte Trennung der Geschlechterrollen und Tugendanforderungen wird ohne kritische Reflexion dargestellt und scheint als natürlich und unumstößlich akzeptiert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Antithese
Tugenden braucht der Mann, er stürzt sich wagend ins Leben / Eine Tugend genüget dem Weib
Hyperbel
Tugenden braucht der Mann
Kontrast
Tugenden / Eine Tugend
Parallelismus
Sie ist da, sie erscheinet / Lieblich dem Herzen, dem Aug′ lieblich erscheine sie stets!