Trotz alledem!

Ferdinand Freiligrath

1848

Das war ’ne heiße Märzenzeit, Trotz Regen, Schnee und alledem! Nun aber, da es Blüten schneit, Nun ist es kalt, trotz alledem! Trotz alledem und alledem - Trotz Wien, Berlin und alledem - Ein schnöder scharfer Winterwind Durchfröstelt uns trotz alledem!

Das ist der Wind der Reaktion Mit Meltau, Reif und alledem! Das ist die Bourgeoisie am Thron - Der annoch steht, trotz alledem! Trotz alledem und alledem, Trotz Blutschuld, Trug und alledem - Er steht noch und er hudelt uns Wie früher fast, trotz alledem!

Die Waffen, die der Sieg uns gab, Der Sieg des Rechts trotz alledem, Die nimmt man sacht uns wieder ab, Samt Kraut und Lot und alledem! Trotz alledem und alledem, Trotz Parlament und alledem - Wir werden unsre Büchsen los, Soldatenwild trotz alledem!

Doch sind wir frisch und wohlgemut, Und zagen nicht trotz alledem! In tiefer Brust des Zornes Glut, Die hält uns warm trotz alledem! Trotz alledem und alledem, Es gilt uns gleich trotz alledem! Wir schütteln uns: Ein garst’ger Wind, Doch weiter nichts trotz alledem!

Denn ob der Reichstag sich blamiert Professorhaft, trotz alledem! Und ob der Teufel reagiert Mit Huf und Horn und alledem - Trotz alledem und alledem, Trotz Dummheit, List und alledem, Wir wissen doch: die Menschlichkeit Behält den Sieg trotz alledem!

So füllt denn nur der Mörser Schlund Mit Eisen, Blei und alledem: Wir halten aus auf unserm Grund, Wir wanken nicht trotz alledem! Trotz alledem und alledem! Und macht ihr’s gar, trotz alledem, Wie zu Neapel jener Schuft: Das hilft erst recht, trotz alledem!

Nur, was zerfällt, vertratet ihr! Seid Kasten nur, trotz alledem! Wir sind das Volk, die Menschheit wir, Sind ewig drum, trotz alledem! Trotz alledem und alledem: So kommt denn an, trotz alledem! Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht - Unser die Welt trotz alledem!

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Illustration zu Trotz alledem!

Interpretation

Das Gedicht "Trotz alledem!" von Ferdinand Freiligrath ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Menschlichkeit und den Fortschritt. Der Dichter beklagt die Rückständigkeit und Unterdrückung, die trotz aller Fortschritte und Siege noch immer herrschen. Er beschreibt die Kälte und Härte der "Reaktion" als einen scharfen Winterwind, der die Menschen durchfröstelt. Die Bourgeoisie und die Monarchie stehen noch immer am Thron und unterdrücken das Volk, trotz aller Bemühungen um Veränderung. Freiligrath betont die Resilienz und den Mut des Volkes, das trotz aller Widrigkeiten nicht verzagen will. Die "Zornesglut" in den Herzen der Menschen hält sie warm und gibt ihnen die Kraft, weiterzukämpfen. Auch wenn der Reichstag sich blamiert und der Teufel mit aller List reagiert, wissen die Menschen, dass die Menschlichkeit am Ende den Sieg behalten wird. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zum Widerstand und zur Beharrlichkeit. Die Menschen werden aufgefordert, sich zu bewaffnen und auszuharren, auch wenn sie alles verlieren sollten. Sie sind das Volk, die Menschheit, und sie werden sich nicht unterkriegen lassen. Die Welt gehört ihnen, trotz allem.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Trotz alledem
Metapher
Unser die Welt trotz alledem!
Personifikation
Der annoch steht, trotz alledem!