Trostlose Thränen

Joseph Christian von Zedlitz

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Blickt nicht so wild, weint nicht so arg, Weil von des Sturmes rauher Hand Das Schiff, das Euern Reichthum barg, Zertrümmert liegt am Klippenstrand,

Weil Euch nur Asche übrig blieb, Die Flamme Euer Haus verzehrt, Weil fort der Krieg die Heerden trieb, Das schöne Gut der Feind verheert.

Noch fluthet ja das Meer, es weht Der Wind, der frisch die Segel schwellt, Die alte Wasserstraße geht Noch immer frei hin durch die Welt.

Leicht bringt der Zufall, was er nahm; Drum eilt zu neuer Wagniß fort! Wie manches Schiff ging schon und kam, Glück und Gewinn an seinem Bord.

Das Haus ersteht, – der Friede bringt Bald wieder, was der Krieg verheert; Wie war’, was sich so leicht erringt, Wohl solcher heißen Thränen werth? – –

Was weinst Du Deine Aeuglein roth, Und raufst Dein Haar, o junge Braut? Weil nun im Grab liegt kalt und todt, Der einst im Arm Dir lag so traut?

Starb er nicht treu, glänzt’ Himmelslust Nicht ihm im Aug’, als er entschlief? Der letzte Hauch aus seiner Brust, War’s nicht Dein Name, den er rief?

Und siehst Du nicht, wenn süß und mild Die Nacht am tiefen Himmel blaut, Daß er aus jedem Sternenbild Mit Gruß und Wink herniederschaut?

Und siehst Du nicht die lichte Bahn, Milchweiß im Aether ausgespannt; Führt sie Dich nicht zu ihm hinan, Reicht er Dir nicht von dort die Hand?

Und wie? Du weinst, weil kurze Frist Du ihn nicht hältst, nur siehst im Licht, Da doch ein Tag beschieden ist, Wo Seele sich an Seele flicht?

Das ist kein Grund, daß voll und schwer Die Thrän’ an Deiner Wimper bebt, Daß sich Dein Blick so trostesleer, So starr und irr’, und wild erhebt! – –

Du aber weine, armes Herz, Dem jeder Schlag ein Schlangenstich, Dem nur der Dorn blieb und der Schmerz, Indeß der Rose Glanz verblich!

Dem Untreu, Trug und falsches Wort Jedweden Tropfen laut’res Blut Aussog, und das, ob auch verdorrt, Noch an des Vampirs Lippen ruht! –

Du weine, edle Menschenbrust, Die Du geglaubt an beßre Zeit, Die, ihres Strebens sich bewußt, An schöner Hoffnung sich erfreut.

Du, die des Herzens frommen Drang, An eitler Träume Glanz gesetzt, Und doch so treu und gläubig rang, Und die kein dämmernd Licht mehr letzt!

Die einen Garten Du die Welt, Voll süßen Rosenglanz, geschaut, Von Glück und Fried’ und Lust erhellt, Und der nun vor der Wildniß graut,

Die Du auf Menschenwerth gebaut, Und die statt Tugend, Freiheit, Recht, Die ärg’re Wüste nur geschaut, Und ein entarteter Geschlecht! –

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Illustration zu Trostlose Thränen

Interpretation

Das Gedicht "Trostlose Thränen" von Joseph Christian von Zedlitz thematisiert verschiedene Formen des Leids und des Trostes. Im ersten Teil tröstet der Sprecher Personen, die materielle Verluste erlitten haben, wie den Untergang eines Schiffes oder den Verlust des Hauses durch Feuer. Er betont, dass das Leben weitergeht und neue Chancen auf Reichtum und Glück bestehen. Der Sprecher ermutigt dazu, nicht zu verzweifeln, da das Glück wiederkehren kann. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher einer jungen Braut zu, die um ihren verstorbenen Geliebten trauert. Er versucht, ihr Trost zu spenden, indem er ihr die ewige Natur der Liebe und die Möglichkeit einer Wiedervereinigung im Jenseits vor Augen führt. Der Sprecher beschreibt, wie der Geliebte als Stern am Himmel weiterhin auf sie herabblickt und sie zu sich hinaufführt. Er betont, dass die Trennung nur von kurzer Dauer ist und sich die Seelen letztendlich wieder vereinen werden. Im dritten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher an diejenigen, die unter Verrat, Enttäuschung und der Erkenntnis der Schlechtigkeit der Welt leiden. Er spricht von einem "armen Herz", das von Schmerz durchbohrt wird, und einer "edlen Menschenbrust", die an bessere Zeiten geglaubt hat. Der Sprecher erkennt an, dass diese Art von Leid tief und unvermeidlich ist und dass es in Ordnung ist, darüber zu weinen. Er beschreibt die Enttäuschung über die Welt, die sich als Wüste entpuppt hat, anstatt des erhofften Gartens voller Schönheit und Glück.

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Stilmittel

Metapher
Und ein entarteter Geschlecht
Personifikation
Weil von des Sturmes rauher Hand