Trostaria
1695Endlich bleibt nicht ewig aus, Endlich wir der Trost erscheinen, Endlich grünt der Hoffnungsstrauß, Endlich hört man auf zu weinen, Endlich bricht der Tränenkrug, Endlich spricht der Tod: Genug!
Endlich wird aus Wasser Wein Endlich kommt die rechte Stunde, Endlich fällt der Kerker ein, Endlich heilt die tiefste Wunde, Endlich kommt aus Sklaverei Der gefangne Joseph frei.
Endlich, endlich kann der Neid, Endlich aus Herodes sterben, Endlich Davids Hirtenkleid Seinen Saum in Purpur färben, Endlich macht die Zeit den Saul Zur Verfolgung schwach und faul.
Endlich nimmt der Lebenslauf Unsers Elends auch ein Ende, Endlich steht ein Heiland auf, Der das Joch der Knechtschaft wende, Endlich machen vierzig Jahr Die Verheißung zeitig wahr.
Endlich blüht die Aloe, Endlich trägt der Palmbaum Früchte, Endlich schwindet Furcht und Weh, Endlich wird der Schmerz zu nichte, Endlich sieht man Freudental, Endlich, endlich kommt einmal.
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Interpretation
Das Gedicht "Trostaria" von Johann Christian Günther thematisiert das universelle menschliche Warten auf Erleichterung und Erlösung aus Leid. Durch die Wiederholung des Wortes "Endlich" entsteht ein rhythmisches, fast beschwörendes Muster, das die sehnsuchtsvolle Erwartung betont. Der Sprecher zählt eine Reihe von ersehnten Wendungen auf, von persönlichem Trost über gesellschaftliche Veränderungen bis hin zu biblischen Anspielungen wie die Befreiung des Joseph oder die Verheißung des Messias. Das Gedicht verwendet biblische und mythologische Motive, um die Idee der Erlösung zu veranschaulichen. Die Verwandlung von Wasser in Wein, die Heilung tiefer Wunden und die Befreiung aus der Sklaverei sind Symbole für eine grundlegende Wandlung des Seins. Diese Motive verleihen dem Gedicht eine religiöse Dimension und deuten darauf hin, dass Trost und Erlösung nicht nur individuell, sondern auch kollektiv und göttlich verordnet sein können. Die Struktur des Gedichts mit seinen vier Strophen und dem Refrain "Endlich" am Anfang jeder Zeile verstärkt den Eindruck eines Gebets oder einer Litanei. Die letzte Strophe bringt eine Art Auflösung, indem sie die Erfüllung aller Sehnsüchte verspricht: das Blühen der Aloe, die Frucht des Palmbaums, das Verschwinden von Furcht und Schmerz sowie die Ankunft des Freudentals. Diese finale Vision eines besseren Zustands dient als tröstlicher Ausblick und gibt dem Gedicht eine hoffnungsvolle, wenn auch sehnsuchtsvolle Grundstimmung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Endlich bleibt nicht ewig aus, Endlich wir der Trost erscheinen, Endlich grünt der Hoffnungsstrauß, Endlich hört man auf zu weinen, Endlich bricht der Tränenkrug, Endlich spricht der Tod: Genug!
- Bildsprache
- Endlich wird aus Wasser Wein
- Metapher
- Endlich grünt der Hoffnungsstrauß
- Personifikation
- Endlich spricht der Tod: Genug!
- Symbolik
- Endlich blüht die Aloe, Endlich trägt der Palmbaum Früchte