Trost
1815So arm, so elend ist kein Mensch hienieden, So ganz dahingegeben nur dem Leid, Daß ihm nicht auch ein Schein von Glück geblieben, Sei es ein Bild nur aus vergangner Zeit;
Daß er nicht einen Traum im Herzen hegte, Und blieb′ er ewig in dem stillen Reich, Daß er nicht liebend eine Blüthe pflegte, Und wäre sie auch längst verwelkt und bleich.
Ja wäre auch das Herz nur eine Wunde, Doch blickt gewiß wohl jeder Mensch zurück Auf eine einz′ge schöne Freudenstunde, Vielleicht auf einen sel′gen Augenblick.
Die welke Blume läßt er aus dem Kranze Von Dornen nicht, den ihm das Schicksal bot, Die Freudenstunde bleibt ihm in dem Glanze Der liebenden Erinn′rung bis zum Tod.
Dann wird er sterbend auf das Bild noch blicken, Bis ihm der Tod den Schleier drüber legt, Und an die Brust wird er die Blume drücken, Bis unter ihr das Herz nicht wieder schlägt.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Trost" von Auguste Kurs beschreibt die Idee, dass selbst der ärmste und elendeste Mensch nicht völlig dem Leid ausgeliefert ist. Es gibt immer einen Rest an Glück, sei es ein Bild aus vergangener Zeit oder ein Traum im Herzen. Der Mensch bewahrt eine Blume, auch wenn sie schon lange welk und blass ist, und erinnert sich an eine einzige schöne Freudenstunde oder einen seligen Augenblick. Diese Erinnerungen und Träume sind wie ein Trost in der Not. Sie bleiben dem Menschen erhalten und geben ihm Hoffnung und Kraft. Selbst wenn das Herz nur eine Wunde ist, blickt der Mensch doch auf die schönen Momente zurück und hält an ihnen fest. Die welke Blume lässt er nicht aus dem Kranz von Dornen, den das Schicksal ihm geboten hat, und die Freudenstunde bleibt ihm im Glanze der liebenden Erinnerung bis zum Tod. Im Sterben schaut der Mensch noch einmal auf das Bild seiner schönen Erinnerung, bis der Tod den Schleier darüber legt. Er drückt die Blume an die Brust, bis unter ihr das Herz nicht mehr schlägt. Das Gedicht vermittelt die Botschaft, dass selbst in den dunkelsten Stunden des Lebens ein Funke Hoffnung und Trost vorhanden ist, der den Menschen durchs Leben begleitet und ihm Halt gibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- an die Brust wird er die Blume drücken
- Hyperbel
- Bis unter ihr das Herz nicht wieder schlägt
- Kontrast
- Bis unter ihr das Herz nicht wieder schlägt
- Metapher
- Bis unter ihr das Herz nicht wieder schlägt
- Personifikation
- So ganz dahingegeben nur dem Leid