Trost für mancherlei Tränen
Warum sind der Tränen
Unterm Monde so viel?
Und so manches Sehnen,
Das nicht laut sein will?
Nicht doch, lieben Brüder!
Ist das unser Mut?
Schlagt den Kummer nieder!
Es wird alles gut!
Aufgeschaut mit Freuden,
Himmelauf zum Herrn!
Seiner Kinder Leiden
Sieht er gar nicht gern.
Er will gern erfreuen,
Und erfreut so sehr;
Seine Hände streuen
Segens gnug umher.
Nur dies schwach Gemüte
Trägt nicht jedes Glück,
Stößt die reine Güte
Selbst von sich zurück.
Wie′s nun ist auf Erden,
Also sollts nicht sein.
Laßt uns besser werden;
Gleich wirds besser sein.
Der ist bis zum Grabe
Wohlberaten hie,
Welchem Gott die Gabe
Des Vertrauns verlieh.
Den macht das Getümmel
Dieser Welt nicht heiß,
Wer getrost zum Himmel
Aufzuschauen weiß.
Sind wir nicht vom Schlummer
Immer noch erwacht?
Leben und sein Kummer
Daurt nur eine Nacht!
Diese Nacht entfliehet,
Und der Tag bricht an,
Eh man sichs versiehet –
Dann ists wohlgetan.
Wer nur diesem Tage
Ruhig harren will,
Kömmt mit seiner Plage
Ganz gewiß ans Ziel.
Endlich ists errungen,
Endlich sind wir da!
Droben wird gesungen
Ein Viktoria!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Trost für mancherlei Tränen“ von Christian Adolph Overbeck ist eine ermutigende Botschaft, die Trost in Zeiten von Leid und Kummer bietet. Es ist ein Appell an die Leser, sich nicht von den vielen Tränen und dem stillen Sehnen, die das Leben begleiten, entmutigen zu lassen. Das Gedicht suggeriert, dass eine höhere Macht, der „Herr“, die Leiden seiner Kinder sieht und sich um sie kümmert.
Die Struktur des Gedichts ist durch einen klaren, ermutigenden Verlauf gekennzeichnet. Die ersten Strophen stellen die Frage nach den Tränen und dem Sehnen, die das menschliche Dasein prägen. Dann folgt die Aufmunterung, den Kummer zu besiegen und Hoffnung zu schöpfen. Der Autor führt den Blick auf Gott, der Trost und Segen spendet. Die zentralen Strophen des Gedichts weisen auf die menschliche Schwäche und das Unvermögen hin, das Glück anzunehmen. Es wird dazu aufgefordert, sich zu bessern und Vertrauen zu entwickeln. Durch dieses Vertrauen kann der Mensch die Schwierigkeiten des Lebens überwinden.
Die zentrale Botschaft des Gedichts liegt in der letzten Hälfte, wo der Autor die Vergänglichkeit des Leidens betont. Das irdische Leben wird mit einer Nacht verglichen, die bald vorübergeht und von einem neuen Tag abgelöst wird. Die Metapher des Schlafes und des Erwachens deutet auf eine spirituelle Erneuerung hin. Das Gedicht endet mit der Vision des Sieges und der Freude, die demjenigen zuteilwird, der geduldig auf das Ende der irdischen Plage wartet. Der Aufruf zur Geduld und zum Vertrauen in eine höhere Macht, die letztendlich den Lohn verspricht, ist ein wiederkehrendes Thema.
Overbecks Gedicht ist geprägt von einer einfachen, direkten Sprache, die durch Reime und eine klare Struktur leicht zugänglich ist. Der Tonfall ist tröstlich und ermutigend, und die Verwendung von religiösen Bildern, wie die „Hände“ Gottes, die Segensgnade streuen, unterstreicht die Botschaft des Trostes und der Hoffnung. Das Gedicht bietet einen Weg zur Bewältigung von Leid, indem es dazu aufruft, auf Gott zu vertrauen und die Vergänglichkeit des irdischen Kummers zu erkennen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Trost für mancherlei Tränen“ ein Werk ist, das in einer Zeit von Leid Trost und Hoffnung spendet. Es erinnert den Leser an die Wichtigkeit des Glaubens, der Geduld und des Vertrauens in eine höhere Macht, um die Herausforderungen des Lebens zu überwinden und letztendlich das ersehnte Ziel zu erreichen.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.