Trost der Liebe
unknownKaum erwäg ich recht mein Glücke, Das mir deine Liebe giebt; Freund, so wird im Augenblicke Mein erschrocknes Herz betrübt: Denn es wird die Stunde schlagen, Und wie schnell rückt sie heran! Da ich nichts, als mich beklagen, Und kein Mensch mich trösten kann.
Der Gedanke, wenn wir scheiden, Mischt zu meiner Freude Gift, Webt in meine Ruhe Leiden, Lähmt den Scherz, auf den er trifft. Damis, laß uns zeitig trachten Unsre Trennung auszustehn, Lehre mich den Tod verachten, Oder doch unschreckhaft sehn. - - -
Träum ich? Nein! noch darf ich hoffen, Mein Entsetzen mindert sich. Seh ich nicht die Zukunft offen, Und dort, hinterm Grabe, mich? Seh ich nicht, in jener Ferne, Neue Welten prächtig gehn? Neue Sonnen, neue Sterne, Neue Menschen auferstehn?
Fleuch von hinnen, banges Schrecken, Störe nicht die sanfte Ruh! Herr, dein Wink wird mich erwecken: Deine Liebe sagt mirs zu. Sanfter Strom zukünftger Freuden! Süße Hoffnung, die mir blüht, Muß ich einst von Damis scheiden, Daß mein Geist Ihn wieder sieht.
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Interpretation
Das Gedicht "Trost der Liebe" von Johanna Charlotte Unzer handelt von den widersprüchlichen Gefühlen der Liebe und der Angst vor der Trennung. Die Sprecherin reflektiert über das Glück, das ihr die Liebe des Freundes schenkt, doch zugleich wird sie von der Furcht vor dem bevorstehenden Abschied überwältigt. Die Vorstellung der Trennung mischt sich wie Gift in ihre Freude und lähmt ihre Ruhe. Die Sprecherin sucht Trost und bittet den Freund Damis, ihr zu helfen, die Trennung zu ertragen oder zumindest furchtlos zu begegnen. Doch dann erwacht in ihr die Hoffnung, dass die Zukunft noch mehr zu bieten hat. Sie sieht hinter dem Grab neue Welten und Wesen, was ihr Trost spendet und ihre Angst mindert. Sie bittet das bange Schrecken zu fliehen und sich von der sanften Ruhe nicht stören zu lassen, denn die Liebe Gottes verspricht ihr, dass sie Damis wiedersehen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Und wie schnell rückt sie heran
- Hyperbel
- Daß mein Geist Ihn wieder sieht
- Kontrast
- Träum ich? Nein! noch darf ich hoffen
- Metapher
- Sanfter Strom zukünftger Freuden
- Parallelismus
- Neue Welten prächtig gehn? Neue Sonnen, neue Sterne, Neue Menschen auferstehn
- Personifikation
- Der Gedanke, wenn wir scheiden, Mischt zu meiner Freude Gift
- Rhetorische Frage
- Seh ich nicht die Zukunft offen, Und dort, hinterm Grabe, mich?