Trost
1891Die Mißgunst lauscht auf allen Wegen, Daß sie der Liebe Glück verrät, Doch treue, zarte Liebe geht Auf tausend unbewachten Stegen; Ein Druck der Hand, ein flücht′ger Blick Sagt mir der Liebe süßes Glück.
Und zog ich auch in weite Ferne, Es zog mit mir mein stilles Glück, Denn schau ich nicht der Liebe Blick, So blick ich auf zum Abendsterne; Wie ihres Auges stille Glut Strahlt er ins Herz getrosten Mut.
Und wallen meine Tage trüber Und dringt kein Trost von ihr zu mir, Und dringt mein Sehnen nicht zu ihr, Kein Wort von ihr zu mir herüber; Mein stilles Glück ist nicht getrübt, Ich weiß ja doch, daß sie mich liebt.
Drum klag ich nicht in weiter Ferne, Weil Neid der Liebe Weg belauscht, Wenn auch nicht Wort mit Wort sich tauscht, Mir strahlt ein Trost im Abendsterne; Aus seinen milden Strahlen quillt Mir meiner Liebe trautes Bild.
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Interpretation
Das Gedicht "Trost" von Wilhelm Hauff thematisiert die Beständigkeit und Unverletzlichkeit wahrer Liebe, selbst angesichts äußerer Widrigkeiten und räumlicher Trennung. Der erste Teil des Gedichts beschreibt, wie Neid und Missgunst versuchen, das Glück der Liebe zu verraten, doch die treue Liebe findet immer Wege, unentdeckt zu bleiben. Kleine Gesten wie ein Druck der Hand oder ein flüchtiger Blick genügen, um die Süße der Liebe zu kommunizieren. Im zweiten Teil des Gedichts geht es um die Kraft der inneren Verbindung, die auch über große Entfernungen hinweg besteht. Selbst wenn der Geliebte nicht mehr die Augen des anderen sehen kann, findet er Trost im Anblick des Abendsterns, dessen sanftes Leuchten an die stille Glut der Liebe erinnert und Mut macht. Die dritte Strophe beschreibt eine Situation, in der die Tage des Sprechers trübe werden und der Trost von der Geliebten nicht zu ihm dringt. Doch selbst in dieser scheinbar ausweglosen Lage bleibt sein stilles Glück ungetrübt, denn er weiß, dass sie ihn liebt. Im letzten Teil des Gedichts zieht der Sprecher Bilanz und stellt fest, dass er nicht in weiter Ferne klagen muss, obwohl Neid den Weg der Liebe belauscht. Auch wenn keine Worte ausgetauscht werden können, strahlt ihm der Abendstern einen Trost aus. Aus dessen milden Strahlen entspringt das vertraute Bild der Geliebten, das ihm Kraft und Zuversicht gibt. Das Gedicht vermittelt eine tief empfundene Überzeugung von der Unzerstörbarkeit wahrer Liebe und der Kraft der inneren Verbindung, die selbst äußere Hindernisse überwindet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Auf tausend unbewachten Stegen
- Kontrast
- Und zog ich auch in weite Ferne, Es zog mit mir mein stilles Glück
- Metapher
- Mein stilles Glück ist nicht getrübt
- Parallelismus
- Ein Druck der Hand, ein flücht′ger Blick Sagt mir der Liebe süßes Glück
- Personifikation
- Die Mißgunst lauscht auf allen Wegen